Mindelo, Sao Vicente to Port Louis, Grenada 

21. November

Willkommen zurück bei unserem Blog. Ich habe wieder einmal die Ehre euch die Ereignisse der letzten Woche mitzuteilen. Ich weiß, dass es gewisse Elemente der Leserschaft gibt, welche sich einen Schreiber mit bessere Beherrschung der deutschen Grammatik wünschen, aber leider würde es dann länger dauern bis ein Blog Beitrag erscheint. Also setzt euch hin und lest unsere spannende Reise über den Atlantik und damit zu einem meiner prägendsten Erlebnisse überhaupt.  

Der Start des Rennens war am Sonntag, dem 21. November. Wir wurden um ungefähr 10:30 Uhr aus der Marina geschickt. Der Start war um 12 Uhr und alle Boote mussten sich einer nach dem anderen aus dem Hafen schlängeln. Die Startlinie war tatsächlich wenig ausserhalb des Hafens und deswegen mussten wir sehr aufpassen, dass wir 1. nicht mit anderen Booten zusammenstoßen und 2. nicht mit jeglichen anderen Hafen Objekten zusammenstossen und auch Fähren (denn der Verkehr wurde nicht für den Start des Rennens gestoppt). Die Nerven lagen blank. Wir haben es dann doch relativ gut geschafft uns hin und her zu manövrieren bis zum Start. Wir sind kurz vor dem Start Boot durchgefahren und hatten nur wenige Sekunden Raum zum Startschuss. Wir sind sogar auf dem Video der ARC zu sehen. Also das war ein wirklich perfekter Start, denn wir sind auch auf der Seite der Start Linie gewesen, welche näher Richtung Süden zeigt, also der beste Weg um um die Insel herumzukommen. Durchgesegelt sind wir mit Genua und Gross aber relativ schnell wurden um uns herum Gennaker und Parasails ausgepackt also haben wir uns dazu entschieden das ebenfalls zu tun. Naja. 

Perfekter Start, fast das ganze Feld hinter uns.
Blick auf das Feld von ziemlich weit vorne…

Mein Vater und ich haben ungefähr 1,5 Stunden damit verbracht das Parasail zu setzen. Es hat sich irgendwie in sich selbst verwurstelt und wir mussten es immer wieder hoch und runter ziehen um zu schauen ob es sich endlich entheddert hat. Als es dann endlich oben war haben wir natürlich unseren gesamten Vorsprung verloren und mussten wieder ein bisschen aufholen. Also das Parasail war dann endlich um 15:00 oben und wir sind einen Kurs von ungefähr 220 Grad gefahren. Wir hatten den Plan in den Süden zu fahren um dem unsicheren Wetter im Norden auszuweichen. Das hat sich dann für den Rest des Tages gezogen. Ich habe mich nach der Parasail Aktion ein wenig hingelegt weil das ein absolut schreckliches Manöver war und mich ausgepowert hat. 

Endlich steht das Parasail, dann geht es dahin. 10 Knoten Speed Over Ground bei 20 Knoten Wind.

Die Nacht war relativ spannend, da wir eben in den Süden runtergefahren sind und viele andere Boote eine direkte oder nördliche Route gewählt haben. Wir mussten also ein paar Booten ausweichen. Unter anderem auch mehreren Booten, welche nicht auf dem VHF geantwortet haben. Mit dem Parasail ist es etwas schwieriger den Kurs anzupassen aber wir haben es irgendwie geschafft uns zwischen den anderen Booten durchzuschlängeln. Die Schichten waren genau gleich wie unsere Reise von Gran Canaria bis Cap Verde also waren meine Schichten immer von 9-12 morgens und Abends. Also bin ich um 12 schlafen gegangen. 

22. November

Als ich aufgestanden bin, hat mein Vater bereits einen Waypoint gesetzt, der uns anzeigt wann er Halsen möchte, damit wir endlich auf das Ziel zufahren. Wir hatten noch einige Boote vor uns, denen wir ausweichen mussten aber es war nicht allzu schlimm. Als aller erstes habe ich mich in meiner Schicht ans Steuer gesetzt. Mein Vater hat eine gewisse Angst, dass der Autopilot ausfallen könnte und das wäre natürlich absolut unschön. Aus diesem Grund sollte der Wachhabende ungefähr die Hälfte seiner Schicht von Hand steuern, um den Piloten zu entlasten. Auch in der Nacht. Das sollte sich als weise Voraussicht herausstellen. Dazu mehr später.

Nach unserer Halse haben wir endlich Kurs auf das Ziel genommen und es war ein ziemlich krasser Moment als unser Plotter uns die ganze Strecke plus ausgerechnete Ankunftszeit gezeigt hat. Wir waren endlich unterwegs auf dem großen Abenteuer und nichts konnte uns jetzt noch aufhalten. Unser Kurs war ungefähr 265 Grad. Wir konnten die Passatwinde perfekt ausnutzen, um in den Westen zu fahren und mussten praktisch nichts an dem Segel oder sonst etwas ändern. 

Die Tage verschwimmen nach diesem Punkt und die langen Zeiten der Inaktivität werden von aufregenden Momenten und interessanten Ereignissen geprägt. Anstatt also zu versuchen jeden Tag perfekt zu beschreiben werde ich die wichtigsten Ereignisse bis auf die letzten Tage in Kategorien zusammenfassen um euch lieben Lesern einen Überblick über unsere Reise zu verschaffen. 

Leben an Bord: 

Beginnen wir doch mit einer kleinen Beschreibung wie es an Bord tatsächlich zu sich ging. Mein Alltag war für den größten Teil der Reise unverändert und selbst als es hin und wieder ein paar Probleme oder Ereignisse gab habe ich eine gewisse Routine an Bord beibehalten können. 

An Bord war die Regelung wie bereits gesagt, dass es immer einen Wachhabenden gibt, der seine Schicht oben an Deck verbringen sollte. Der Wachhabende sollte aus ungefähr die Hälfte seiner Schicht am Steuer verbringen. Wenn man unter Deck gehen wollte oder etwas anderes machen musste, sollte man jemanden fragen, ob er die Schicht für einen kurz übernehmen kann. Ansonsten hat man vorne am Steuerstand zu sitzen und Ausschau zu halten für jegliche Veränderungen im Segel, im Wind oder im Wetter. In der Nacht hat man normalerweise während der 3 Stunden das Cockpit nicht verlassen. Allerdings war es okay wenn man müde ist, dass man vielleicht 15 Minuten die Augen zumacht solange man einen Wecker hat und verlässlich den Wind anschaut. Hin und wieder gab es brenzlige Situationen und falls man sich nicht sicher ist, sollte man definitiv nicht schlafen und den Papa wecken gehen. 

So also waren 6 Stunden unseres Tages belegt. Wie haben wir den ganzen Rest des Tages verbracht? Also jeder hat sich verschiedene Aktivitäten gesucht, um die Zeit totzuschlagen. Ich muss ehrlich sein, dass mir eigentlich nie wirklich langweilig geworden ist. Ich habe einen großen Teil meiner Freizeit gelesen und bin während der ganzen Reise durch 4 Bücher durchgekommen. Wenn ich nicht gelesen habe, habe ich viel mit dem Emil geredet, was immer interessant war oder nachdenklich auf das Meer hinausgeschaut. Ein etwas kleinerer Teil meines Alltags wurde der tatsächlichen Arbeit gewidmet. Das bedeutet Segel einstellen, setzen oder bergen, Manöver fahren, abwaschen und aufräumen. Alles wichtige Dinge aber wie gesagt war das nur ein kleiner Teil unseres Alltags. anschließend habe ich versucht 9 Stunden zwischen meinen Schichten zu schlafen. Dies ist mir zumindest für einen großen Teil der Reise gelungen. 

Der Rest der Crew hat sich ein wenig anders beschäftigt als ich, aber fundamental sah unser Zeitvertreib ähnlich aus. Emil hat ein bisschen weniger gelesen und wollte umso mehr mit mir reden. Meine Mutter hat sehr viel gekocht und die ganze Crew ist ihr unglaublich dankbar. Hier ist es vielleicht wichtig zu erwähnen, dass wir fast die ganze Reise absolut schreckliche Wellen hatten. Da der Wind immer von Osten, also von hinten, kam haben die Wellen das Boot nie ganz auf einer Seite gehalten, sondern immer hin und her geschlagen. Dies war an sich nervig aber schlafen und leben hat sich nach einiger Zeit darauf eingependelt. Allerdings war es für meine Mutter oft einen Challenge zu kochen und als es dann gegen Ende richtig abging, hat sie fast ganz aufgegeben. Wir sind ihr alle also doppelt dankbar, das sie mit diesen Konditionen immer noch in der Küche für uns stand. Ansonsten hat sie sich öfter am Nachmittag hingelegt. Mein Vater hingegen hat sehr viel „gearbeitet“ (also mit dem Segeln und dem Boot beschäftigt). Er hat uns natürlich Aufgaben gegeben und hat unter Tags wer auch immer gerade der Wachhabende war geholfen. Er hat auch am wenigsten von uns geschlafen und den Großteil davon oben direkt im Cockpit. Der Papa hat allerdings auch sehr viel gelesen und soweit ich weiß ebenfalls ein ganzen Buch zu Ende gebracht. (Ja, stimmt: die Biografie von Alma Mahler Werfel).

Im Großen und Ganzen waren unsere Tage sehr ähnlich. Es gab nur wenig Veränderungen in unserer Umgebung und den Umständen, um die einzelnen Tage wirklich hervorzuheben. Wir hatten oft eine sehr friedliche Stimmung an Bord und haben viel miteinander gequatscht. Wenn es dann nötig war, haben wir natürlich alle mitgeholfen, bis das Boot wieder auf gutem Kurs stand. Eine wirklich drastische Veränderung in unserem Leben an Bord gab es erst gegen Ende der Reise aber das werde ich erst später besprechen. 

Ein Highlight war aber eine Überraschung, die Mama für uns hatte. Emil und ich bekamen einen Schoko Adventskalender. Das hat uns dann im Dezember jeden Tag ein wenig mehr versüsst.

Segeln:

Der absolut wichtigste Aspekt an Bord war definitiv, dass wir uns nach vorne bewegen. Wie bereits gesagt, hat das Segeln an sich nicht viel Platz in unserem Alltag eingenommen, aber das lag daran, dass der Wind immer wieder relativ konstant geblieben ist. Wenn der wind sich allerdings gedreht hat oder das Wetter sich in irgendeiner Form verändert hat dann mussten wir natürlich arbeiten. 

Der Wind hat sich nie stark geändert und über die ganze Reise hinweg hatten wir angenehmen Wind aus dem Osten. Zwischendurch hat es mal Dreher gegeben aber die allgemeine Richtung blieb gleich. Deswegen sind wir mit dem Parasail gesegelt, da wir dadurch tief genug fahren konnten um auf das Ziel zuzuhalten und da wir dadurch am schnellsten waren. Die ersten zwei Tage und eine lange Zeit in den dritten (23.11.) hinein hatten wir das Parasail oben. Die Windstärke war immer zwischen 15 und 20 Knoten aus ungefähr 60 bis 80 Grad true wind direction. 20 Knoten sind fast zu viel um das Parasail zu segeln und deswegen haben wir uns am dritten Tag dazu entschieden es zumindest während der Nacht zu bergen, da die Wettervorhersage eine Phase mit 30 Knoten vorhergesagt hat. Wir sind danach mit ausgebauter Genua gefahren was eine Drecksarbeit zum aufbauen war, da man den Baum erst richtig montieren muss, dann die Schoten einfädeln muss, dann die Halterungen des Baums befestigen muss und schliesslich Glück haben muss, dass sich nicht alles ineinander verwurstelt hat (was natürlich passiert ist). Also wahren wir nun sicherer unterwegs allerdings um ungefähr 1 Knoten langsamer und wir konnten unseren Kurs von 260 nicht mehr halten und mussten 10 Grad höher fahren. 

Also saßen wir still und haben auf den Wind gewartet, welcher dann nie kam. Wir hatten bis zu 20 Knoten aber nie schneller als das und keine Regenschauer oder sonstiges in der Nähe. Den ganzen nächsten Tag haben wir darauf gewartet, dass der gefährliche Wind kommt. Wir mussten noch höher fahren bis wir schliesslich 290 statt 260 gefahren sind. Am nächsten Tag dann haben wir mal ausprobiert Wing on Wing zu fahren (also das Vorsegel auf der einen und das Grosssegel auf der anderen Seite) und sind damit wieder in den Süden runtergefahren (230 statt 290) aber das hat auch nicht gut funktioniert und deswegen haben wir um 10 Uhr am 25.11. das Parasail wieder gesetzt. Im Nachhinein kann man sagen, dass wir das Segel ruhig hätten oben lassen können und wir haben definitiv ein wenig Strecke und Zeit durch diese Aktion verloren.

Das Parasail wurde dann den ganze 25. hinweg weiter gefahren und wir konnten wieder unseren Kurs von 265 halten. Wind Richtung und Stärke waren 60 Grad mit 15-20 Knoten und hat sich bis zum 26. nicht verändert. Am Abend des 26. hatten wir wieder eine Meldung, dass der Wind eventuell wieder stärker werden könnte und dieses Mal haben uns andere Boote, welche Teil der ARC sind, mitgeteilt, dass bei ihnen bereits viel mehr Wind ist und uns dies auf jeden Fall treffen wird. Nach einiger Diskussion war ich der Einzige, der dafür war, dass das Parasail runtergeholt wird und der Rest war dafür, dass es oben bleibt und sie wären bereit es jederzeit runterzunehmen. Man könnte jetzt sagen das ich entweder der Vorsichtigste oder der Faulste der Truppe bin aber das ist alles so oder so egal denn mitten in dieser Diskussion hat es einen lauten Knall gegeben. 

Nun ja das Parasail läuft oben aus dem Mast hinaus und dann über einen Block, welcher am Mast mit einem Soft Schäkel an einem Mastbeschhlag befestigt ist. Das Fall geht sozusagen auf eine Rolle und diese Rolle kann sich drehen und von Backbord zu Steuerbord bewegen. Das bedeutet wir können das Segel auf allen Seiten fahren ohne dass das Fall irgendwo zu viel Reibung aufbringt. Den Schäkel (den Mastbeschlag) hat es dan aber herausgerissen und damit auch gleich die Rolle. Das hat uns die Entscheidung abgenommen und wir haben sofort das Parasail runtergenommen. 

Danach haben sind wir nur mit dem Groß und dem Vorsegel gefahren. Wir hatten den Spibaum draussen um das Vorsegel stabil zu halten aber hatten nun dasselbe Problem wie vorher und zwar, dass wir zu hoch fahren müssen. Wir sind den restlichen Tag und den ganzen nächsten Tag ungefähr 270 Grad oder mehr gefahren. Wir haben uns kurz eine Methode überlegt, wie wir das Parasail wieder setzen könnten aber das hat sich alles als gefährlich und nach einer Zeit als unnütz erwiesen. Am 28. in der Nacht hatten wir dann unseren ersten Squall. Das bedeutet ein kurze stark Wind Phase mit Regen und sich ändernden Bedingungen. Den Rest des Tages sind wir immer noch wing on wing gefahren und konnten einen Kurs von 270 halten. Am 29. hat sich langsam der Wind verringert und ist dann am Morgen des 30. auf 6 Knoten runter. Also haben wir die Segel eingerollt und ungefähr 15 Stunden motort. Wir haben ausgerechnet das aufgrund der Situation mit den Wellen und dem wenigen Wind wir eher unsere Segel kaputt machen und uns Motoren viel mehr bringt selbst wenn die Zeit in der Wertung verdoppelt wird. 

Am Abend hatte es wieder Wind und konnten unsere Genua wieder ausrollen. Hier ist wichtig zu erwähnen, dass wir zwei Schoten auf unserer Genua hatten und sie so entweder über den Baum  oder normal ausrollen konnte falls der Wind auf halben Wind gedreht hat. und dann hatten wir unseren ersten richtigen Squall. Der Wind ist teilweise auf über 20 Knoten hoch aber der Squall ist rechts an uns vorbeigezogen. Mir hat das ziemlich Angst gemacht und ich war sehr glücklich das wir in dem Moment unser Parasail nicht oben hatten. Am 1.  hatten wir wieder stabilen Wind aus dem Osten und er hat endlich ein wenig gedreht (so ungefähr auf 80 Grad) und wir konnten direkt auf das Ziel fahren (ungefähr 255-260 Grad). Diesen Kurs konnten wir für die nächsten Tage gut halten. Da wir nun im Westen waren wurde das Wetter allerdings wesentlich instabiler. Nun hatten wir fast jeden Abend mindestens einen Squall. Wir haben immer wieder je nach Wind das Gross geborgen aber die Genua blieb fast immer draußen. 

Die zweite Woche fast nur mehr Wing on Wing

Die Squalls kamen dann mit der Zeit auch untertags und irgendwann hatten wir keine Kissen mehr oben und haben den ganzen Tag regenfeste Kleidung angehabt. Teilweise hatten wir Böen bis zu 32 Knoten und die Welle hat uns eine Geschwindigkeit von bis zu 13,2 Knoten gegeben. Und so ging das dann ungefähr bis ins Ziel. Zum Ende hin sind wir praktisch nur noch wing on wing gefahren, da das der beste Weg war unser Boot mit der immer größer werdenden Welle stabil zu halten aber sehr viel geholfen hat es am Ende nicht. Wir konnten unseren Kurs gerade unter 250 halten bis wir dann am 5. hochhalsen konnten. Hier haben wir uns leider ein bisschen verrechnet und haben zu früh gehalst um tief genug fahren zu können und zu spät gehalst um wing on wing auf das Ziel zuzufahren. Also mussten wir ein wenig ummanövrieren, aber der Wind hat dann gedreht und wir konnten praktisch direkt auf unser Ziel zufahren. Angekommen sind wir dann am 6. um ungefähr 10 Uhr local time. 

Probleme:

Das Vielleicht wichtigste Kapitel unserer Reise in meinen Augen. Ein Boot ist wirklich sehr sehr faszinierendes Konstrukt. Eines der Maschinen welche die Menschheit schon seit Jahren begleitet und mit jedem Zeitalter praktisch neu erfunden wurde. Man möchte meinen die Menschen hätten den Bootsbau mittlerweile so sehr perfektioniert, dass es eigentlich das sicherste Transportmittel auf Erden sein sollte. Leider ist das nicht die Realität. Es gibt so unglaublich viele bewegliche Teile und verschiedene Funktionen in einem Boot und einfach viel zu viele Einzelheiten die man einfach nicht unter einem Hut bringen kann. Und deswegen wird auf einem Boot immer etwas kaputt gehen. Jeder Segler, den wir auf der ARC getroffen haben hat immer davon erzählt was letzte Woche kaputt gegangen ist oder was sie jetzt schon wieder reparieren mussten. Deswegen präsentiere ich euch hiermit alle Probleme und Störungen, welche wir auf dem Atlantik hatten und wie wir diese überwunden haben. 

Mein Vater hat bereits erzählt was alles am Tag vor unserer Abreise in Mindelo passiert ist. Der Dinghy Arm war über die ganze Reise kaputt und hat sich auch mehrere Male gelöst. Aber abgesehen von dem Desaster sind uns erstaunlich wenig Dinge direkt auf dem Wasser kaputt gegangen. 

Als allererstes kam natürlich der Bruch von unserem Fall. Wie gesagt hat uns das Fall oben einen non Friktion Schäkel, welcher am Mast befestigt war herausgehoben und gleichzeitig auch unsere Rolle oben herausgerissen. So hatten wir mit dem Fall weniger Sicherheit und Möglichkeit das Parasail zu segeln und deswegen haben wir uns entschlossen das Parasail runterzunehmen. Wir haben uns kurz überlegt ein zweites Fall einzufädeln und zwei Falle gleichzeitig auf das Parasail anzubringen aber das haben wir schlussendich verworfen, da der Stress und die Arbeit (abgesehen davon dass es eventuell einfach nicht funktioniert hätte) uns den Nutzen nicht wert war. das war allerdings gut so, denn wir hätten das Parasail 2 Tage nachdem das Fall kaputt gegangen ist eh nicht mehr segeln können, da der Wnd immer unstabiler wurde. Also kein großer Schaden und auch keine große Lösung. 

Das zweite und vielleicht dramtischste was uns an der Reise kaputt gegangen ist war das absolute Highlight der reise und definitiv etwas was noch sehr lang weitererzählt werden wird. Viele von euch wissen schon wovon ich rede. Mein Vater hat es bereits auf unserer Reise nach Mindelo vorgewarnt und hat selbst Monate davor bereits davon geredet. Uns ist der Autopilot kaputt gegangen. 

Das war eines der absoluten worst-case-szenarien. Der Autopilot ist so wie der Motor und der Mast eines der Dinge, die es den meisten ermöglicht den Atlantik ohne viele Probleme zu überqueren. Viele andere Familien haben den Autopilot viel mehr verwendet als wir. Ihr meint euch zu erinnern, dass wir immer versucht haben die Hälfte unserer Schicht von Hand zu steuern. Wir waren bereits sehr erfahren darin das Boot zu steuern und haben den Autopilot definitiv mehr als manch andere Boote geschont. Aber trotzdem ist er kaputt gegangen. Also was genau ist passiert? Wir hatten am 30. einen relativ langen Tag unter Motor und hatten dann erst am Abend wieder genug wind, um mit dem Segel zu segeln. Während wir unter Motor waren und kurz bevor wir Abend gegessen haben, ist der Autopilot ausgefallen. Er hat auf einmal aufgehört zu steuern und hat sich nicht mehr beweget. Er hat gestockt bis anschließend die Nachricht kam, dass er nichts mehr macht. Also haben wir jemanden ans Steuer gesetzt und mein Vater ist nach unten gegangen. Wir haben uns im Motorraum den Mechanismus des Autopiloten angeschaut, aber wir konnten nichts finden was falsch war. Immer wenn wir ihn angemacht haben hat er kurz funktioniert aber er hat immer kurz gestockt bevor er in die richtige Richtung lenkt. 

Also wie haben wir das Problem gelöst. Als allererstes mussten wir unser Schicht System komplett ändern. Es musste nun immer jemand am Steuer sein und das bedeutet, dass wir nicht mehr Einzelwachen halten konnten. Wenn eine Person Wache hält, kann sie nicht die Schoten bedienen oder irgendwie die Segel einstellen, da sie ja am Steuer sitzen muss. Also haben wir folgendes gemacht. Wir haben zweier Wachen für jeweils 4 Stunden eingeteilt. Emil und ich hatten immer die Wachen von 22-2, 6-10 und 14-18. Jeder hat immer die Hälfte der jeweiligen Schicht gesteuert während der andere entweder geschlafen hat der versucht hat den Steuermann aufrecht zu halten mit Konversation. Wir haben immer jeweils eine Stunde gesteuert während meine Eltern sich jede halbe Stunde abgewechselt haben. Und so haben wir den Rest der Reise bis nach Grenada verbracht. Es war ziemlich hart. Anfangs haben wir nochmals versucht das Problem zu lösen, aber nichts hat irgendwas gebracht. Das Problem war nicht nur, dass es schwierig ist, 6 Stunden am Tag am Steuer zu sitzen und sich auf das geradefahren zu konzentrieren selbst wenn man zwischendurch Pausen hatte. Es war auch, dass wir niemals länger als 4 Stunden am Stück schlafen konnten (wenn man die Zeit die es braucht einzuschlafen und aufzuwachen mit einrechnet waren es eher 3 Stunden). Und untertags war es schwierig zu schlafen, da es aufgrund der Sonne extrem heiss und stickig unter Deck wurde. Ich habe sicher nicht mehr als 6 stunden jeden Tag geschlafen. Zusätzlich dazu waren wir während der Zeit in dem Gebiet mit den Squalls und deswegen durften wir nicht nur bei extremen Wind steuern aber auch natürlich am Steuer sitzen, wenn es angefangen hat zu schütten.

Jetzt im Nachhinein war es irgendwie auch ein tolles Erlebnis aber im Moment war es echt nicht schön. Die Konzentration die man beim steuern aufbringen muss und der wenig Schlaf haben mir persönlich echt zugesetzt. Wir waren nicht die einzigen denen das passiert ist auf der Arc. Als Fazit kann man auf jedenfalls sagen, dass man immer für alles ready sein sollte und der einzige Grund warum wir nicht so viele Probleme mit dem Steuern hatten, ist weil uns der Papa jeden Tag dazu gezwungen hat zu steuern und wir so alle erfahren waren. Gute Vorbereitung ist die beste Hilfe in jeder Notsituation. Was man allerdings auch gut vorbereiten hätte können, waren die Ersatzteile des Autopiloten, welche mein Vater sich geweigert hat zu kaufen. Dachten wir zumindest. Endgültig hat es sich herausgestellt, dass es eh nicht die Schuld meines Vaters war sondern etwas ganz anderes. Anscheinend haben sich die Kohle Bürsten, welche im Elektromotor des Autopiloten für Spannung zeugen, abgenutzt und der Staub dieser Bürsten hat im Elektromotor selber zu Störungen geführt. Das war das größte und schwerste Problem auf der Reise aber wie ihr wisst haben wir es überstanden und sind safe and sound angekommen. 

Man kann es kaum erkennen wie das Schiff über die Wellen rollt
Mond Nacht

Sonstige besondere Ereignisse:

Hier würde ich gerne noch alle anderen besonderen Ereignisse festhalten, welche auf der Reise so passiert sind. Da ich ja ein anderes Format verwende um euch zu informieren gehen die einzelnen Tage ein wenig verloren und diese lustigen Ereignisse gehören trotzdem berichtet. 

Etwas sehr unwahrscheinliches und erstaunliches, was am Ozean passiert ist ist unsere Begegnung mit der Akuna. Die Akuna ist ein Schiff, welches wir ganz am Anfang unserer Reise in Italien bereits kennengelernt haben. Sie begleiten uns schon die ganze ARC lang und wir treffen sie bei jedem Event und verstehen uns gut. Auf unserer Reise nach Mindelo war es relativ lustig, da man immer wieder irgendwelche anderen Schiffe im AIS gesehen hat und sich dann nachher austauschen konnte von wegen „Ah ja ihr habt uns ja richtig überholt“. Wir haben ursprünglich gedacht, dass das am Ozean überhaupt nicht passieren wird, da es einfach eine längere Strecke ist. Wir haben gedacht, dass sich die Boote richtig verteilen werden und wir ganz alleine unterwegs sind. Allerdings haben wir erstaunlicherweise immer wieder andere Schiffe gesehen und das nicht zu knapp. Mitten auf dem Ozean hat man sich plötzlich getroffen. Die Akuna ist dar markanteste Beispiel denn wir haben sie am 25. November (4 Tage nach unserem Start) mitten auf dem Ozean getroffen. Wir sind uns nah genug gekommen, dass wir uns sogar Worte zubrüllen konnten. Definitiv ein seltsames Ereignis. 

Ein weiteres wichtiges Ereignis ist meine (fast) tägliche Aufnahme von sealabs. Sealabs ist eine Firma, welche versucht zivile Daten auf dem Ozean zu sammeln. Sie wollen die tatsächlichen Oberflächen Temperaturen und andere Daten über die Meere wissen und diese für andere Studien preisgeben. In Gran Canaria haben sie einen kleinen Stand aufgemacht und haben jedem der wollte ein kleines Messgerät mitgegeben. Dieses Gerät kann Daten wie Temperatur, Ph, Salzgehalt und vieles mehr messen. Also bin ich ungefähr alle 2 Tage raus und habe eine kleine Röhre mit Wasser gefüllt und die Daten dann abgemessen und eingetragen. Es war ziemlich lustig und spannend. Von diesen Messungen hat es ebenfalls Fotos auf Instagram. 

Viele von euch haben sicher auch die halfwaypoint celebration auf Instagram mitbekommen. Wir wussten nicht, dass es bei Seglern üblich ist eine kleine Fete auf halben Weg zu feiern. Die halfwaypoint celebration ist nicht wirklich festgelegt also haben wir unseren eigenen Regeln erfunden. Jeder hat sich als ein ausgedachter Scallywag (ein Seeungeheuer) verkleidet und mein Bruder hat sogar ein Gedicht geschrieben und vorgelesen. Anschließend haben wir unsere Verkleidungen dem Skipper präsentiert und ein Alkohol freies Bier zusammen getrunken. Meine Mutter hat sich als das Ungeheurer der Verletzungen verkleidet, ich als eine Kakerlake (da das die absolut schlimmsten Dinger an Bord sind) und Emil (mein absoluter Favorit) als der Polypropylpolyp (also ein Oktopus ungeheuer des Plastiks im Ozean). Emils Gedicht war auch ein absoluter Banger. 

Ein weiteres unglückliches Ereignis war Emils kleiner Krankheitsfall. Emil hatte unterwegs eine kleine Mandel Entzündung und hat sich 2 Tage hingelegt. Wir haben die Schichten untereinander aufgeteilt aber es war nicht allzu dramatisch. Wir haben ihn einfach ins Bett gesteckt und ein paar Halstabletten und Antibiotika gegeben und dann ging es ihm wieder besser. Nicht dramatisch genug, um zu den richtigen Problemen zu zählen aber trotzdem nennenswert. Wir hatten Glück, dass er so schnell wieder gesund war. Es hätte definitiv auch schlimmer kommen können mit den Krankheiten an Bord. 

Fazit:

Abschließend möchte ich mich bei meiner Familie bedanken. Danke für diese wundervolle Reise. Wir hatten definitiv ein paar Abenteuer und Hindernisse aber wir haben sie alle überwunden und es über den Atlantik geschafft! Eine absolute Meisterleistung und ich bin extrem stolz auf uns alle! 

Danke an euch Leser, dass ihr das alles hier so gebannt mitverfolgt habt und ich hoffe euch hat dieses Kapitel des Blogs ebenfalls gefallen. Ich hoffe wir werden in der Zukunft noch mehr von solchen Abenteuern machen und ich hoffe ihr werdet ebenfalls wieder fleißig mitlesen. 

Und anschließend natürlich noch eine Entschuldigung für den verspäteten Upload. Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen und ihr könnt euch in unsere Situation auf hoher See hineinversetzen. 

5 Kommentare zu „Mindelo, Sao Vicente to Port Louis, Grenada “

  1. Danke lieber Valentin für den abermals interessanten und lustigen Bericht. Leider kommen jetzt keine mehr denn bei mir haben sie die Erinnerungen an meine Überquerung, auch zu viert wach gerufen. Wir hatten nur einen Bruchteil der Probleme von euch. Der Autopilot hat durchgehalten, wurde aber auch immer nur mit 50 % in Anspruch genommen. Wünschen euch noch eine wunderbare Ferienzeit bis zum Silvester und jetzt vor allem frohe Weihnachten und Prost dann auf das neue Jahr 2025 mit Vision.! liebe Grüsse auch von der Grossfamilie Stoffel aus Kalifornien.


  2. Danke Valentin für die gute Unterhaltung! Gratulation für die tolle Leistung, ihr alle könnt richtig stolz darauf sein! Frohe Weihnachten, genießt die restliche Zeit, und ich freue mich schon darauf, die Geschichten live zu hören!


  3. Großen Dank Valentin, für die Mühe, die du dir über die Zeit gemacht hast, uns teilhaben zu lassen an eurem Familien-Abenteuer !
    Auch für die Leser schade,dass es bald vorbei sein wird !


    1. Avatar von Jennifer Wassermann
      Jennifer Wassermann

      An alle treuen Leser: es wird noch zwei Beiträge geben. Einer bis Antigua der kommt recht bald. Und ein weiterer der letzten Woche. Danach geht es im Mai weiter!


  4. Avatar von Cousinchen 😀
    Cousinchen 😀

    Danke lieber Valentin für den wiederum sehr kurzweiligen und interessanten Bericht. Viel Wissen, Mut und Glück hat euch sicher über den Atlantik gebracht. Gratulation an die ganze Familie. Bin schon gespannt auf eure Erzählungen live.
    Eine gute Rückreise und ein baldiges Wiedersehen dann in Graz 😘


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