Unser letzter Törn des Jahres 2024
Zusammen mit Niko und Bernd, zwei passionierten Seglern, wollten wir in dieser November Woche die obere Adria erkunden. Das geplante Highlight sollte vor dem Markusplatz in Venedig unser eigener 007 Moment werden. Wie so oft kommt alles anders.
Am 31. 10. holte uns Niko von Graz ab, am Weg in Richtung Istrien gabelten wir Bernd in Triest auf und dann ging es nach Rovinj, wo wir erst lang nach Mitternacht an Bord gingen. Der Plan war am nächsten Tag die Vision von der ACI Marina in Rovinj abzumelden. Wir hatten den Liegeplatz mit dem Boot gekauft, jetzt war es Zeit dem sehr luxuriösen aber unverschämt teuren Hafen den Rücken zu kehren. Am Ende des Törns wollten wir schließlich in San Giorgio di Nogaro anlegen, um ins Winterlager zu gehen.

Tag 1
Die Arbeiten gingen schnell voran, so dass wir am folgenden Tag bereits Mittags die Leinen losmachen konnten. Der Plan war ein kurzer Schlag in Richtung Norden entlang der istrischen Küste um dann vielleicht in Izola oder Porec halt zu machen. Leichte Winde erforderten Bald den Einsatz der Maschine. Das ging eine Weile gut, aber plötzlich mehrten sich Aussetzer, die bis zu einem kompletten Leistungsverlust reichten. Das hatten wir noch nie. Nur mehr mit langsamer Fahrt konnten wir weiterkommen. Plan Änderung, wir beschlossen die ACI Marina Umag anzusteuern, hier war auch eine Werft, die uns hoffentlich weiterhelfen würde.
Tag 2
Das mit der Werft war eine gute Idee, aber erst am Montag wieder. Wir waren also schon einmal das Wochenende in Umag gestrandet. Also schreiten wir selbst zur Tat. Bernd entpuppt sich als Diesel Motor Spezialist: Nach kurzer Analyse ist es wahrscheinlich dass die Diesel Filter zugemacht haben. Die Vision hat drei Dieseltanks, zwei Haupttanks je Backbord und Steuerbord und einen Tagestank unterhalb des Niedergangs. Vom Tagestank geht es über einen Vorfilter (der redundant und umschaltbar ausgeführt ist) zum Feinfilter und dann zur Einspritzpumpe. Der Vorfilter war schon sehr schwarz, das konnte nicht funktionieren. Am nächsten Tag, haben wir uns daran gemacht die Filter alle zu tauschen, da hatten wir zufällig auch die richtigen an Bord. Ausserdem bemerkten wir dass der Geber, der Wasser im Filter anzeigen sollte kaputt war. Der ging auf unsere Ersatzteil Bestellliste.
Wir beschlossen auch das Auto aus Rovinj nach Umag zu holen, um etwas flexibler über das Wochenende zu sein, ein bisschen Werkzeug musste im nächsten Hardware Store beschafft werden.


Tag 3
Mit dem Filter Tausch – so dachten wir – würden wir das Problem gelöst bekommen. Daher stand einem Segeltag am Sonntag nichts mehr im Wege, bevor wir die Experten am Montag an Bord bekämen. Wir hatten wunderschöne Bedingungen und machten gute Fahrt Richtung Norden.



Auf Höhe Izola schlief aber der Wind nach und nach ein, das bedeutete, dass der Rückweg teilweise unter Motor erfolgen würde. Dabei entpuppte sich, dass unsere Filter Aktion offensichtlich nur oberflächlich gelungen war. Nach einigen Meilen stotterte der Motor wieder und es wurde klar dass wir die Profis am Montag brauchen würden, um dem Übel auf die Spur zu kommen.
Tag 4
Die Werft Mitarbeiter machten sich an die Arbeit und bauten den Schuhschrank aus, das ist die einzige Möglichkeit zum Tagestank zu gelangen. Nach Öffnen der Inspektionsluke wurde der seht trübe Treibstoff abgepumpt. Am Ende wurde klar, was das Übel war. Dieselpest! Eine schleimige, algenähnliche Substanz, die vielen Yachten zu schaffen macht. Sie entsteht durch Kondenswasser, dass sich in den Stahltanks bei Temperaturwechsel ansammeln kann. Hierin wachsen Mikroorganismen heran, Pilze, Hefen, Bakterien und es entsteht ein ekelhafter schwarzer Bioschlamm. Der Tod jedes Filters.



Die Haupttanks sahen nach einer kurzen Inspektion genauso schlimm aus, der Aufwand sie auch zu reinigen würde noch ein bis zwei Tage Arbeit benötigen. Wir beschlossen nur den Tagestank sauber zu machen zu lassen. Der hat ca. 100 l Inhalt, das sollte für den Rest der Woche reichen. Wir machten eine Überschlagsrechnung und tankten 60l in den Tagestank – genug für die Restdauer des Törns? Lasst euch überraschen.
Die Werft Arbeiter waren dann doch recht fix mit ihrer Arbeit. Wir besorgten nochmals frische Filter, just in case, es war ja nun schon fast schon Routine. Wir waren aber wild entschlossen noch am selben Tag aufzubrechen, immerhin lagen wir nun schon drei Nächte in Umag. Unser Törnplan war schon mehrmals umgeschrieben worden, nun war die Idee erst einmal nach Süden aufzubrechen, eventuell bis Pula.
Der Motor lief wieder wie am Schnürchen, das war beruhigend, denn wir hatten immer noch recht wenig Wind. Dafür war die Stimmung an Bord bestens. Es wurde dann doch nur Vrsar, weil die Sonne war schon untergegangen und der Wind komplett eingeschlafen.



Tag 5
Wir wollten sehr früh in Vrsar los, der Plan war nun über die Adria zu segeln, direkt nach Westen mit dem Ziel Chioggia, das auch Klein Venedig genannt wird. Das waren ca. 60 Seemeilen, daher der Aufbruch in der Morgendämmerung. Der Tag verlief problemlos, leider sehr wenig Wind, das bedeutete mehrere Stunden unter Motor. Und damit leerte sich unser knapp bemessener Diesel Vorrat schon wieder ein gutes Stück. Unterwegs trafen wir Trawler, die jeweils im Paarlauf ihre Riesennetze hinter sich herzogen. Interessanterweise waren sie vor allem genau in der Mitte der Verkehrstrennungsgebiete unterwegs, vielleicht ein Mittel sich immer die Vorfahrt zu holen. Wir blieben immer auf Sicherheitsabstand, Netze im Propeller wollten wir nicht ausprobieren.



Schon bei untergehender Sonne kamen wir in Chioggia an und bekamen Platz in der Marina Porto Turistico San Felice. Nach einem langen Tag gab es ein gemütliches Essen an Bord, da uns der Weg in die Stadt zu lange war.
Tag 6
Wir begannen den sonnigen Tag mit einem Ausflug nach Chioggia. Das Städtchen ist zauberhaft. Wir genossen die Gassen, Plätze, Kirchen und das venezianische Flair. Es gäbe bestimmt noch mehr zu entdecken, aber wir wollten am Nachmittag noch nach Venedig aufbrechen, wo wir nach langem Bitten einen Liegeplatz in der Marina Santa Elena bekommen hatten. Also noch ein bisschen Vorräte einkaufen, einen Kaffe genießen und zurück an Bord.







Der Hafenmeister gab uns den Tipp durch die Lagune im Fahrwasser innerhalb des Dammes nach Venedig zu fahren. Es wäre für unseren 2,2 m Tiefgang tief genug um sicher (auch bei Ebbe) passieren zu können. Wir fanden die Idee gut, zumal es sich wieder abzeichnete, dass wir zu wenig Wind bekommen würden, um ausserhalb der Lagune die Segel zu setzen.
Die Fahrt war wirklich zauberhaft. Wir passierten kleinere Orte und Anlegestellen, mussten einem Ruderwettbewerb ausweichen und genossen die langsame Fahrt. Ein Auge war immer auf den Tiefengeber gerichtet. Mit abfließender Flut wurden wir zusehends nervöser, denn die Tiefe war teilweise nur mehr mit 1,9 m angezeigt, da hätten wir bereits aufsitzen müssen. Aber vielleicht war das Wasser zu trüb oder die Eichung unseres Gebers nicht in Ordnung, jedenfalls passierten wir den Kanal und kamen bald nach Venedig.

die roten Bereiche waren die Tiefenwarnungen




Die Anzahl der Boote im Fahrwasser vor Venedig war völlig unübersichtlich. Wir zweifelten ein wenig, dass wir mit unserer nicht kommerziellen Yacht einfach so in Richtung Markusplatz fahren dürften. Aber es schien sich niemand daran zu stören. Und immerhin, James Bond ist sogar unter Segel die Strecke gefahren.
Schliesslich näherten wir uns dem Markusplatz inmitten eines Getümmels an Booten. Wir fuhren in langsamer Fahrt und orientierten uns an den Bojen, dem Boots Verkehr und all den anderen Booten.






Plötzlich setzte der Motor aus. Mitten vor dem Markusplatz. Im oberen Maps View dort wo der blaue Punkt ist. Er sprang auch nicht mehr an. Etwas Panik an Bord, denn wir waren manövrierunfähig geworden und trieben mit dem Strom.
Nach kurzer Überlegung konnte es nicht wieder der Dieselfilter sein, wir hatten ja nur den sauberen Tank verwendet. Daher war die logische Schlussfolgerung, dass uns der Diesel im Tagestank ausgegangen sein musste. Uns blieb als einzige Lösung übrig, Diesel aus den Haupttanks in den Tagestank zu pumpen, wohl wissend, dass wir damit wieder verschmutzten Diesel verwenden würden. Nach ca. 5 Minuten sprang die Maschine wieder an, wir waren nur ein wenig herumgetrieben. Selbst die Carabiniere auf ihrem Patroullienboot fanden das nicht aussergewönlich. Nach dieser Aufregung liefen wir in Richtung Marina und waren froh, als wir dort bei untergehender Sonne angelegt hatten.

Nach einem guten Abendessen ging es zurück in den Hafen. Für den nächsten Tag hatten wir einen Tag Venedig Sightseeing geplant. Über unseren Tank wollten wir uns keine Sorgen machen.
Tag 7
Ein Tag Venedig. Ich war schon 40 Jahre nicht mehr dort, insofern war ich gespannt wie es mir dieses Mal gefallen würde. Ich war ja von einer Voreingenommenheit gegen Italiener geplagt, die mich dieses Land zu Gunsten anderer Länder meiden ließ. Ich wurde aber belohnt für meine Rückkehr. Ich fand Venedig wirklich wunderschön Den ganzen Tag durch die Gassen schlendernd, quer durch die ganze Insel, ab un dein eine Kleinigkeit zum Essen und Trinken, einen guten Café, oder auch Eis. An jeder Ecke eine Sehenswürdigkeit oder auch nur kleine Details, die uns alle immer wieder gefielen. Der Tag ging irgendwie zu schnell vorbei, hier wollte ich auf jeden Fall nochmal herkommen. Belohnt wurden wir mit einem großartigen Abendesse, bevor wir uns wieder aufmachten in Richtung Insel und Marina Santelena.





Tag 8
Unser Plan war früh abzulegen, weil wir den Weg zurück nach Umag wieder antreten wollten. Das waren wieder ca. 60 Seemeilen über die Adria und wir wollten nicht zu spät ankommen. Die Fahrt zurück war wenig spektakulär weil wieder recht wenig Wind. Die Frage war viel eher, würde der Diesel reichen und wie schnell würden wir wieder Probleme mit dem Diesel bekommen. Am Ende schafften wir es in der Dunkelheit dann fast bis Umag, dann streikte aber wieder der Motor. Wir wussten schon was das hieß, wieder Filter verstopft.
Nichts wurde es mit einem gemütlichen letzten Abendessen. Wir mussten einen Weg finden den Tagestank soweit zu säubern, dass wir am nächsten Tag von der Tankstelle genügend Sprit nachtanken würden können, um dann San Giorgio di Nogaro notfalls unter Motor zu erreichen. Das war unser Ziel. Die Werft für die Überwinterung und den geplanten Refit. Was wir zu tun hatten war klar, auch hatten wir die Ersatzfilter ja schon besorgt. Also ging es an die Arbeit. Umpumpen des schmutzigen Diesels aus dem Tagestank in einen der Haupttanks. Anschließen Reinigung des Tanks. Und parallel Tausch des Filters. Nach drei Stunden stanken wir alle so nach Diesel, dass uns allen schlecht war. Aber wir waren zuversichtlich dass wir alles richtig gemacht hatten.



Tag 9
Jennifer nam das Auto von Umag um Bernd zum Flughafen zu bringen. Niko und ich legten ab, um hoffentlich möglichst viel unter Segel nach San Giorgio zu fahren. Wie schon die ganze Woche war der Wind wieder nur schwach. Nur kurz kam Thermik auf, mit der querten wir die Bucht von Triest um dann unter Motor den Wasserlauf hinauf bis San Giorgio zu Motoren. Jennifer wartete schon dort auf uns, um unsere Leinen anzunehmen. Das Winterlager war erreicht.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit mit dem Werft Leiter und meinem Berater – Hr. Manfred Schöchl, Besitzer der Sunbeam Werft (bzw. letzte Generation der dortigen Schöchl Dynastie, heute ist die Werft im Besitz seines Sohnes Andreas), die Winter Arbeiten durchzusprechen.
Die Segelsaison war für 2024 zu Ende. Zum Bericht über den Winterrefit geht es hier.
Alexander
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