Alles über unsere Segelyacht Vision, eine Sunbeam 53, Baujahr 2007
Im Juli 2024 kauften wir eine Segelyacht. Wenige Wochen zuvor, beim ersten Besuch, wussten wir schon, dass sie genau die Yacht ist, die wir uns vorgestellt hatten. Eine Center Cockpit Yacht, gebaut für die weite Fahrt. Ausgestattet mit allen Features, die man für Blauwasser Strecken sich wünschen könnte. Dennoch auch sportlich zu segeln. Der Zustand war gut, nicht mehr ganz top modern und vielleicht vom Eigner eher als Ausflugsboot zuletzt verwendet. Mit ihren 53 Fuß eher etwas größer als eigentlich gedacht, aber dieser extra Komfort hat natürlich auch Vorteile.
Sunbeam ist eine kleine österreichische Werft, bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Boote. Die 53 ist das größte Modell, das dort am Mattsee je gebaut wurde, unsere Vision hat die Baunummer acht von neun ausgelieferten Booten. Sowohl in der „Yacht“ wie auch in der „Yacht Revue“ wurde die Sunbeam 53 sehr gut besprochen.


Der Voreigner hatte der Yacht den Namen Vision gegeben (eigentlich Vision II – es war bereits seine zweite Sunbeam). Im Familienrat wurde lange diskutiert, aber am Ende beschlossen wir bei Vision zu bleiben. Er passte auch gut zu unserem Plan der auch irgendwie eine Vision war – einmal gemeinsam als Familie über den Atlantik segeln.
Die Technik
Aufwändige Yacht Technik
Unsere Vision wurde vom Ersteigner bereits für lange Blauwasser Fahrt ausgestattet. Aber, wie Kenner wissen, ist die Sunbeam Werft bereits ein Garant dafür hochwertige Ausstattung auszuliefern.
Technische Ausrüstung:
- Aufwändig handlaminierter GFK Rumpf, 6 t Ballast und 19,8 t Verdrängung
- Cathedral Rigg für Überlappung der Genua und besseren Zugang zum Vorschiff
- Alle Cockpit Winschen elektrisch von Harken
- Stehendes Gut aus Dyform Draht
- Sparcraft Rigg mit In-Mast Roll Groß und kugelgelagertem Outhaul Car am Baum
- Kohlefaser Spinnaker Baum
- Furling Vorstag von Furlex
- Zwei zusätzliche manuelle Fallwinschen am Mast
- Kardan Radsteuerung mit elektrischem Autopilot Motor von Jefa
- Yanmar 4JH4 HTE Antrieb mit 81 kW
- Warmwasserboiler
- Wassertank(s) mit 780 l
- Dieseltank(s) mit 750 l
- 4 Batteriesysteme für Starter und Service (12 V DC) sowie Service und Bug (24 V DC)
- Umfangreiche Raymarine Ausstattung Navigation, Funk, Autopilot
- Navtex Empfänger
Die „On-Board Living“ Ausrüstung ist recht umfangreich und bei modernen Yachten keine Selbstverständlichkeit mehr:
- Zwei Kühlschränke
- Zwei Waschbecken in der Pantry
- Aufwändige Klimaanlage mit eigenen Fancoils für jede Kabine sowie den Salon
- Diesel Heizung
- Spülmaschine
- Waschmaschine
- Watermaker
- Diesel Generator
- Fernseher mit Bose Surround Anlage
- Elektrische Toiletten
Die Segelflächen sind beeindruckend und ein Resultat des Regatta Profis Manfred Schöchl:
- Großsegel: 69,1 m2
- Genua: 66,9 m2 (126% Überlappung)
- Spinnaker: 218 m2 (nicht vorhanden)
- Code Zero: 104,1 m2
- Starkwind Fock: 43,3 m2
- Parasegel: 233 m2
- Sturmfock: 16,8 m2
Der Refit 2024/25
Schon beim Kauf war klar, dass die Yacht zwar gut erhalten war, aber einiges an Investitionen wurde vom Voreigner auf die lange Bank geschoben. Dass es daher bald zu einem größeren Refit kommen musste, speziell ausgerichtet auf ein Atlantik Abenteuer, war uns bewusst.
Aber wie geht man so etwas an? Wie kommt man zu einer Abschätzung der Umfänge, wie sucht man eine Werft aus, für die Dinge, die nur dort zu erledigen sind, was sind must-haves und was sind nice-to-haves?
Zusammenfassend kann man sagen: für ein umfassendes Refit ist auf jeden Fall gute Vorbereitung notwendig und am besten auch sehr viel Zeit um die Gewerke entweder durch Eigenleistung zu erbringen oder bei Fremdleistung zu überwachen. Wir haben uns dafür umfangreich mit erfahrenen Experten zum Thema auseinandergesetzt. Besonders positiv war dabei die Zusammenarbeit mit Hr. Ing. Manfred Schöchl, der die Sunbeam Werft in zweiter Generation zusammen mit seinem Cousin führte und nun an die nächste Generation übergeben hat. Hr. Schöchl kennt seine Yachten in- und auswendig und brachte viel Erfahrungen von seinen eigenen Langfahrt Törns in den Refit ein.
Eine weitere Quelle und externe Unterstützung bekamen wir durch Julia und Markus Luckeneder, ein österreichisches Paar, das seit einigen Jahren auf den Weltmeeren unterwegs ist, mittlerweile eine Beratung und einen eigenen Shop aufgebaut haben und durch Präsenz in den sozialen Medien ihre Reisen präsentieren. Ihre sehr sympathische Art und die „pragmatischen Ansätze“ waren sehr hilfreich bei der Zusammenstellung des Refit Plans.
Am Ende war die Liste lange, und im Laufe des Refits kam auch noch einiges dazu:
- Neues stehendes Gut:
Nach 17 Jahren ein Muss, auch für die Versicherung. Inklusive aller Wantenspanner. - Neuer Aufbau des Unterwasser Anstrichs:
Der Voreigner hatte immer nur neue Antifouling Farbe über die alte Farbe überstrichen. Gefühlt waren das 15 Schichten Farbe. Dieses Mal sollte das bewährte Antifouling Coppercoat, 5 fach aufgetragen, angewandt werden. Das sollte nun auch einige Jahre halten. - Neue Raymarine Elektronik für AIS, Funk, Navigation, Autopilot, Radar
Der Autopilot war schon neu von Raymarine, damit war die Wahl für die restlichen Raymarine Komponenten leicht. Lieber wäre mir eine PC basierte Lösung oder der moderne Ansatz von Orca gewesen, aber am Ende entschied ich für die bewährte Lösung mit gutem weltweiten Service Netz. - Neue Segel:
Die Segel waren alle verschlissen und mehrfach repariert. Mein Regattaherz hat mich hier geleitet. Alle Segel neu von Elvstroem. Ausser dem Parasegel von Oxley. - Wartung von Hauptmaschine, Generator, Klimanlage, Watermaker:
Der Zustand war nicht klar, also besser in die Vollen greifen. - Seeventile neu wo notwendig:
Einige der installierten Ventile waren nicht mer gängig. Kein akzeptabler Zustand. - Diverse Wartungsarbeiten, wo übermäßiger Verschleiss feststellbar war
- Neue Leinen und Falle wo notwendig
- Sicherheitsausrüstung gemäß ARC Anforderung
Neu dazugekommen sind dann noch im Laufe des Winters:
- Ein neues Teak Deck:
Das alte Deck hatte sich an drei Stellen vom GFK Deck gelöst. Eigentlich bin ich beim Kauf des Bootes davon ausgegangen, dass sich das reparieren lässt. Nach näherer Untersuchung war das zwar möglich, aber ohne nur ohne Gewährleistung und die Kosten dafür waren schon fast so hoch wie ein neues Deck. - Modernisierung der Elektrik mit LiFePo4 Batteriebank für das 24 V DC Servicenetz:
Die AGM Batterien waren bereits 3 Jahre alt, das 24 V DC Service Netz soll aber die Atlantikrunde als Haupt Energiequelle verlässlich dienen. Daher entschied ich mich für eine Teilerneuerung das elektrischen Systems. Das beinhaltete nicht nur die Batterien, sondern auch die Erneuerung der Ladeelektrik (Lader/Inverter) sowie die Integration der Solaranlage. Ursprünglich wollte ich einen Hydrogenerator installieren, der funktioniert aber nur bei Fahrt und anscheinend gibt es doch viel Seegras am Atlantik, dann funktioniert er nicht einmal bei Fahrt. - Geräteträger für Solar Panels und diverse Antennen:
Drei 190 Wp Module wurden installiert, dann noch eine Starlink Marine Antenne, eine Navtex Antenne und eine reserve Antenne für UKW (für den Fall eines Mast Bruchs) - Neuer Watermaker:
Bei der Prüfung des alten Watermakers wurde festgestellt, dass die Pumpen nicht mehr gängig waren. Ich entschied kurzfristig auf einen modernen low energy Watermaker umzustellen (von Schenker) - UV Behandlung Frischwasser:
Zur Sicherstellung eines entkeimten Frischwassers wurde für die Pantry eine 12 V DC UV Anlage installiert, die das Frischwasser auch wirklich frisch macht. - Neuer Achterstag Spanner:
Wurde beim Bedienen überdreht, war dann aus meiner Sicht nicht mehr sicher genug in der Belastung. - Neuer Niederholer:
Der Baum Niederholer ist mit zwei internen Stossdämpfern ausgestattet, die hatten ihre Wirkung verloren. Ein Tausch der Stossdämpfer war wegen interner Korrosion nicht möglich. - Neue Furlex:
Die Vorstag Rolleinrichtung ließ sich nicht mehr zu vernünftigen Kosten warten, also Tausch auf neu.
Am Ende kamen natürlich noch jede Menge Kleinigkeiten dazu. Vor allem auch in Hinblick auf Sicherheitsausrüstung und -standards.
Leider ist das Refit im Zeitablauf sehr unglücklich verlaufen. Wie so oft stellte sich die Verlässlichkeit der Werften als eher mäßig heraus. Aus einem avisierten Fertigstellungstermin Ende April 2025 wurde dann ein Termin Mitte Juli 2025. Es wäre vielleicht möglich gewesen diesen Termin zu beschleunigen, aber dazu hätte ich jede Woche in der Marina verbringen müssen und selbst dann wäre ich dem Chaos des unorganisierten Werft Chefs ausgesetzt gewesen. Viele andere Eigner in derselben Marina haben mit mir ihr Leid ausgetauscht, leider aber auch von anderen Werften mit ähnlichen Erfahrungen berichtet. Erst als ich mehrere Wochenenden in die Werft fuhr um durch Präsenz Druck zu erzeugen, ist dann endlich etwas weitergegangen. Den Probetörn zur Überprüfung aller neuen Einbauten konnten wir allerdings mehr schlecht als recht absolvieren. Wir fahren am Ende mit einem stark erneuertem Boot los ohne zu wissen ob wirklich alles zur Zufriedenheit funktioniert.
