Törn 3 Brindisi to Valletta

Von Valentin

Crew: Alex, Lidwina, Fadri, Valentin

29. August

Das Abenteuer begann erstaunlich unspektakulär. Als ich von Graz angereist bin, habe ich mich verspätet durch ein Missverständnis auf Seiten des Piloten. Dieser hat vergessen zu prüfen, ob der Flughafen Brindisi die Möglichkeit hat die Bremsen des Flugzeuges zu warten. Ihm ist erst aufgefallen, dass dies nicht der Fall ist nachdem wir bereits eine Stunde unterwegs waren. Also haben wir mitten in der Luft umgedreht, ein anderes Flugzeug vom Flughafen Zürich bekommen und kamen dann mit einer Verspätung von 4 Stunden in Brindisi an. 

Endlich angekommen war es mein Job den Mechaniker zu empfangen, welcher sich den Generator anschauen sollte. Mein Vater hat bereits mit der Werft in Kontakt aufgenommen und ihnen alle Probleme mitgeteilt. Leider haben die Italiener bereits um 17 Uhr geschlossen und so blieb mir nichts anderes übrig als das Boot in Betrieb zu nehmen. Dies war einfacher gesagt als getan (hauptsächlich weil ich nicht wusste, dass die Schalter in dem Sicherungskasten auf Rot sein müssen um An zu sein) aber ich habe es irgendwann endlich hinbekommen. 

Um ungefähr 7:30 habe ich meinen guten Freund Fadri empfangen, welcher ebenfalls aus Zürich angeflogen kam. Wir haben uns einquartiert und alles so eingerichtet wie wir es verstanden haben (die Steckdosen habe ich leider nicht zum laufen bringen können) und sind anschließend im schönen Marina Restaurant essen gegangen. Der Tag war damit vorbei und wir sind früh ins Bett.

30. August

Am darauffolgenden Tag bin ich um 8 Uhr aufgestanden um den Mechaniker zu empfangen. Dieser ist (erstaunlicherweise) pünktlich erschienen und hat sich direkt an die Arbeit gemacht. Nach ungefähr 20 Minuten hat er mir dann erzählt, dass es wahrscheinlich ein elektronisches Problem sei. Dies hat mein Vater zwar lang und breit bereits mit der Marina kommuniziert aber wie auch immer. Der Mechaniker ging also zurück zur Werft um mit seiner Chefin zu reden (mit der mein Vater bereits in Kontakt war) um einen Elektroniker zu holen. Nachdem ich dies meinem Vater mitgeteilt habe warte ich auf eine Antwort und schlafe inzwischen wieder ein. Nach langem hin und her kommunizieren meinte mein Vater, dass der Elektroniker wahrscheinlich nicht kommen wird, da es regnet. 

Nach dieser interessanten Interaktion mit der Werft in der Marina Brindisi bleibt mir nichts übrig als zu warten. Der Fadri weckt mich um 10:45 um mich zu informieren, dass wir die Segel die mein Vater bestellt hat aus der Werft abholen sollten (eine Fock und eine Sturm Fock). Mit 15 Minuten übrig bis die Werft schliesst und schon ziemlich fertig mit der italienischen Meinung zu Arbeit mache ich mich also auf den Weg in die besagte Werft. Dort hebt der Kontakt meines Vaters nicht ab also entschließe ich mich selber auf die Suche nach den Segeln zu machen. Gesucht und gefunden bringen Fadri und ich die Segel zurück aufs boot und warten auf den nächsten Gast. 

Die Lidwina erreicht unser Boot mit ihrer lässigen Art um 13:30 und lässt mich und Fadri als allererstes etwas essen gehen, da wir noch nichts gehabt haben. Der Plan war über das Eintreffen von Lidwina hinweg relativ verschwommen und so waren wir uns nicht sicher ob wir bereits einkaufen sollten bevor mein Vater eintrifft. Wir haben uns dagegen entschieden.

Mein Vater trifft nun endlich um 16:00 ein und es wurde sich direkt an die Arbeit gemacht. Die Lidwina wurde zum Einkaufen geschickt und Fadri, ich und mein Vater machten uns daran die Moorings dichter zu nehmen da der Wind zunahm (Wo ich unabsichtlich die hand meines Vaters einklemme aber es ist gut ausgegangen), das Wasser nachzufüllen und räumen unter Deck auf. Der Wind wurde nur stärker und deswegen entschied sich mein Vater nicht den Mast zu besteigen (an den Wanten musste eine Want terminal und Spanner angebracht werden). Lidwina kommt nach einigen Stunden zurück und bringt erstaunlicherweise 96 Liter Wasser mit (obwohl wir ihr ausdrücklich erklärt haben dies NICHT zu tun). Sie hat erklärt, dass ihr das Wasser geschenkt wurde und ihre Theorie sei, dass die Angestellten Mitleid mir ihrem Großeinkauf hatten. 

Darauf hin wird ein wenig aufgeräumt und wir begeben uns zum Abendessen wieder in die Marina. Dann zieht ein Sturm auf wie ich ihn selten gesehen habe und wir (die relativ früh essen gegangen sind) waren die einzigen Gäste die inmitten des Tumult bedient werden wollten. Wir haben nach einiger Zeit warten und nass werden und Sitze wechseln allerdings 4 ausgezeichnete Pizzen bekommen die wir dann während des Sturms verschlungen haben. In der Nässe haben wir unseren Weg zurück auf das Boot gefunden und mein Vater hat eine Einweisung zu Sicherheit an Bord gegeben. Danach haben wir entdeckt, dass Lidwinas Kabine undicht war (nicht schlimm aber definitiv bemerkbar) aber Lidwina hat das relativ lässig hingenommen und sich in das untere Bett gelegt. 

31. August

Dies war ein großer Tag, weil wir an diesem Tag den Hafen Brindisi verlassen haben. Dies geschah nicht bevor wir noch ein wenig Arbeit erledigt haben. Unser erstes Unglück dieser Reise passierte jedoch bevor wir überhaupt abgelegt haben. Als wir versucht haben die Vorstag Persenning zu lösen hat diese gesteckt. Nach einiger Reisserei liessen wir es sein und beschließen nach wie vor den Mast zu besteigen und dann so die Genua zu inspizieren. Das Problem war nur, dass wir das Fall, welches an der Persenning hang, verwenden wollten um meinen Vater zu sichern. 

Nun ja halb so schlimm wir banden ihn an das eine Fall das wir hatten und an einem anderem Fall, welche ungefähr 4 Meter unter der Spitze des Masts endete. Was genau mein Vater tat blieb mir vorenthalten, da ich nicht zuschauen konnte sondern den Befehlen (ihn entweder rauf oder runter zu lassen) per Winch nachkommen musste. Mir wurde berichtet er hat den Wanten Terminal und Spanner angebracht, Vorstag Persenning begutachtet und gelöst und Segelschutz an der Saling angebracht. Nachdem mein Vater die Persenning gelöst hatte, konnten wir diese auch endlich runter ziehen und da hat sich das Problem offenbart. Mein Vater hat gemeint, dass sich die beiden Spi Falle gekreuzt und die Persenning eingeklemmt haben. Unsere Reisserei hatte so die Folge, dass wir die Persenning oben gerissen haben. Wie schlimm der Schaden ist haben wir noch nicht wirklich errechnet. Wir haben das Problem gekonnt ignoriert, da wir eh nichts machen konnten. 

Nachdem dies vollbracht haben machten wir klar Schiff gemacht und dann ging es auch schon los. Das Ablegemanöver verlief relativ gut (obwohl ich die steuerbord Festmacherleine als erstes falsch herum ins Wasser geworfen habe). Lidwina und Fadri haben sich gut geschlagen und unser erstes Manöver war an der Tankstelle anzuhalten. Nach einer Runde tanken (und 10 euro, welche mein Vater mir immer noch schuldet) sind wir endlich auf das offene Meer hinaus. 

Wir setzten die Segel (nach Logbuch) um 15:00. Fadri hat einen crash course zum segeln bekommen und hat sich dann aber eh gut geschlagen. Nach zwei stunden Genua haben wir uns dann entschieden den Code Zero zu setzen, was super funktioniert hat. Es war ein wunderschöner Tag mit zwischen 8 und 11 Knoten Wind. Der Tag verging relativ schnell und ohne große Zwischenfälle. Lidwina hat nach einiger Zeit wunderbare Sandwiches gemacht (von denen ich 5 und Fadri 1 gegessen hat). Der Wind kam stetig von Norden bis Nordwesten und wir sind einen Kurs von ungefähr 135 Grad gesegelt. Nach einigen Stunden (Von denen ich den Großteil mit meinem Buch verbracht habe) ist der Wind eingeschlafen und wir haben den Motor um 9 gestartet. 

Wir haben den ganzen Tag diskutiert was für Möglichkeiten es gäbe um die Wache zu organisieren. Ich hatte einen Vorschlag (der Intelligenteste meiner Meinung nach) bei dem es immer zwei Leute an Bord gibt aber wo eine einzelne Person die Schicht mit zwei verschiedenen Personen verbringt. Person A verbringt zwei Stunden mit Person B und dann zwei Stunden mit Person C und geht darauf hin schlafen. Person C verbringt dann zwei Stunden mit Person D und so weiter. Dadurch ist niemandem langweilig und es gibt immer Abwechslung. Ja also leicht gesagt schwer getan, da dieses System einigen Leuten mehr Schlaf anbietet als andere (es sei den man kann bereits um 5 Uhr schlafen). Fadri, Lidwina und ich haben am Vorabend lang und breit nachgedacht und sind anschließend bei einem System angekommen welches funktionieren könnte. In diesem gibt es keinen Wechsel zwischen Menschen aber wir haben versucht die schwierigen Schichten während der Dunkelheit so ertragbar wie möglich zu gestalten. Wir haben es das 4334 System getauft. Also 4 Stunden Wache 3 Stunden Schlaf, 3 Stunden wache, 4 Stunden Schlaf und anders herum für die zweite Gruppe. 

Dieses System haben wir sofort in kraft genommen und es hat (meiner Meinung nach) ganz gut funktioniert. Der Beginn der Schicht war um 6 Uhr aber mein Vater blieb noch einige Zeit bei uns. Um 9 Uhr schlief der Wind ein und wir haben den Motor gestartet und Lidwina und mein Vater haben sich ins Bett gelegt. Während der Wache ist nicht viel passiert, da wir motort sind. Ich habe hauptsächlich gelesen und Fadri ebenfalls. Um 10 allerdings gab es den Wachwechsel und ein erstaunliches Ereignis. 

Ich habe immer versucht Ausschau nach anderen Booten zu halten aber diese waren immer weit weg von uns. Als mein Vater unter dem Deck hervorkommt allerdings fragt er mich ob ich das eine Boot eh gesehen habe. Das Boot welches fast direkt hinter uns durchgefahren ist. Ich war mir in dem Moment nicht sicher und habe gedacht ich habe es wirklich übersehen und wir hatten ein extremes Glück aber die Wahrheit ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem dieses Boot nämlich hinter uns durchgefahren ist (an diesem Punkt waren schon wieder alle an Deck) hat es den Kurs geändert und ist uns mit 50 Metern Abstand hinterhergefahren. Anschließend hat es gewaltige Scheinwerfer angemacht und uns bestrahlt. Ich dachte für einen kurzen moment das sind Piraten und die fangen jeden Moment an uns zu beschießen. Über Funk haben sie uns gesagt wir sollten den Motor ausschalten und stehen bleiben. Wir haben alle Befehle befolgt und nachdem sie sich uns genähert haben und Leinen zugeworfen haben konnte ich endlich den Schriftzug an der Seite des Bootes lesen „Guardia di Finanza“.

Nun ja die Finanzpolizei hat nur unsere Papiere begutachtet und ein paar Fragen gestellt und nach 20 Minuten haben wir die Leinen wieder los gemacht und sie sind verschwunden. Ich bin mir ziemlich sicher sie hatten ihre Lichter so aus, dass wir sie nicht sehen konnten bis sie uns überfallen haben. Nun gut nach dieser Aufregung sind Fadri und ich schlafen gegangen. 

  1. September

Unser zweiter offizieller Tag segeln began um 1 Uhr morgens für mich und Fadri. Der Wind war immer noch ziemlich schlaff und wir haben die ganze Wache nichts anderes gemacht als gelesen und solitär gespielt. Die Stimmung war allerdings traumhaft. Zu steuerbord Seite das dunkle Land und zu backbord Seite nichts als Wasser. Kaum Boote und ein unglaublich klarer Himmel mit einem wunderschönen Mond. Die Schicht verging relativ schnell und wir haben uns nach 3 Stunden wieder hingelegt. 4 Stunden später wurden wir geweckt und es war wieder helllichter Tag. 

Zu dem Zeitpunkt waren wir relativ weit draussen auf dem Wasser und man hat nichts rundherum gesehen. Wir waren immer noch unter Motor und das hat sich noch für eine lange Zeit nicht geändert. Fadri und ich haben am Anfang noch einen Wal weit in der Ferne gesehen (die anderen haben sich wieder ins Bett gelegt). Ich habe Fadri bevor die anderen um 12 wieder kamen Schiffe versenken beigebracht (ironischerweise) und wir hatten einen ziemlichen Spaß. Mein erstes Buch habe ich ebenfalls fertig gelesen. Um ungefähr 1 Uhr hat Lidwina einen Salat mit Tomaten, Schafskäse und Gurken gemacht. 

Wir motorten einen Kurs von ungefähr 225 Grad mit einem Wind von Osten mit ungefähr 2-7 Knoten bis 14:30 wo wir uns entschlossen die Segel wieder zu setzen (da war der Wind bei 7-8 Knoten und hat ein wenig Richtung Südosten gedreht). Mit Gross und Code Zero segelten wir also weiter einen Kurs von ungefähr 220 bis wir um 17:30 eine fatale Entdeckung machten. Das Code Zero hat uns den Bug Spriet nach oben verbogen. Also haben mein Vater und ich (zum Glück direkt vor der bucht) das Code Zero schnell abgehängt, eingewickelt und verstaut. Danach sind wir in die Bucht Capo Piccolo Motort und haben den Anker um 17:50 niedergelassen. 

Die Bucht Capo Piccolo war eine wunderschöne Bucht mit einem kleinem netten Dörfchen daneben. Es waren viele Menschen am Strand aber wir sind nur kurz ins Wasser an Bord gesprungen. Zum Abendessen gab es Brot mit Schinken und Käse und wir haben uns relativ früh schlafen gelegt. Davor haben Lidwina und ich noch Fadri dazu überredet eine kleine Runde Oh hell zu spielen (das beliebteste Kartenspiel der Familie Wassermann welches die Lidwina uns tatsächlich beigebracht hat). Die Runden waren schrecklich und wir waren alle übermüdet aber es war trotz dem noch lustig. Alles in allem ein entspannter Tag und eine entspannte Nacht. 

2. September

Am Dienstag ging es dann erst richtig los. Wir sind um 10:45 los und dann auf einmal kam der Wind. Mein Vater meinte im Nachhinein das wir Glück gehabt haben, dass wir so früh losgegangen sind weil das lichten das Ankers sich sonst als echte Herausforderung dargestellt hätte. Unser Ziel an diesem Tag war die Nach durchzusegeln und am Vormittag des Mittwochs in Syrakus anzukommen. 

Die erste Challenge war der Wind. Dieser kam aus 250 Grad was leider auch genau die Richtung war in der Syrakus lag. Also mussten wir ziemlich hoch am Wind fahren (214 Grad) und das auch nur mit der 3-fachen gerefften Genua (mein Vater meinte wir hatten sogar noch weniger) und Motor (aber dies auch nur für 2 Stunden um ein wenig Kraft aufzubauen) was die Folge hatte, dass wir direkt gegen die Welle gefahren sind. Noch dazu hatte der Wind für die nächsten paar Stunden eine Geschwindigkeit von über 20 Knoten (35 km/h für meine Freunde die mitlesen) und oft sogar drüber mit einem Top von 37 Knoten. Kurz gesagt war es sehr schaukelig und die Welle ist teilweise über das Deck direkt ins Cockpit und hat den Steuermann (mich) ordentlich eingenässt. Ich war am Steuer, da mein Vater gemeint hat, dass ich die Übung brauchen könnte (ich hab das eh eingesehen aber trocken wäre ich trotzdem gerne geblieben). Dies mussten wir für einige Zeit ertragen. 

Um 17:40 hat der Wind (zumindest per Logbuch) nachgelassen und hat zu unseren Gunsten gen Süden gedreht was uns einen ziemlich perfekten Kurs auf Syrakus zielen liess (220 Grad). Da haben wir also den Motor angemacht und ich habe mich entschieden um 18:00 schlafen zu gehen. Als ich mich wieder geregt habe um 21:00 hat mein Vater bereits wunderbare Burger gemacht mit einem Bohnen, Gurken, Feta und Tomaten Salat. Während ich unten war haben sie auch wieder die Genoa auf 2 Reffs ausgerollt. Diese nacht haben wir uns für einen späteren Start der Nachtwache entschieden und haben ein 3333 System gemacht was zwar weniger schlaf bedeutete aber an sich besser ist da wir später ins Bett können. 

Um 10:00 haben also Fadri und ich übernommen. Davor haben wir die Genua noch einmal komplett ausgerollt. Die Schicht war sehr entspannt und Fadri und ich haben uns hauptsächlich unterhalten und die Sterne angeschaut. Der Wind ist langsam eingeschlafen als wir in den Schatten des Landes gekommen sind und wir haben um Viertel nach 11 den Motor angemacht. am Himmel gen Land waren ein paar Wetterleuchten aber ich hab mir gedacht das wird schon am Land an uns vorbeiziehen. Um Mitternacht war dann Wechsel und ich habe mich schon auf eine ruhige Nacht und einen entspannten nächsten Tag. Ich hätte mich wieder an die Vorhersage meines Vaters erinnern sollen den wir hatten noch die Strasse von Messina vor uns. 

3. September

Dies war meiner Meinung nach der härteste Tag. Fadri und ich haben uns um 4 Uhr morgens aus unserem Schlummer geregt und das erste was mir mein Vater entgegenbrüllt ist: „Das ist der härteste Sturm den ich je erlebt habe, zieht euer Ölzeug an!“ Fängt schon mal gut an. Ich komme hoch zu einer gigantischen Gewitterwolke links und rechts von uns. Die Blitze waren praktisch konstant und es hat genieselt mit einem Wind von 20 knoten. Wir haben mit der zweifach gerefften Genua gesegelt und hatten eine ganz gute Geschwindigkeit von 5-8 Knoten. 

Nachdem Fadri und ich uns oben einquartiert haben und die Situation ein wenig beobachtet haben geht Lidwina unter Deck (sie taucht nach einer stunde wieder auf) und mein Vater bleibt oben am Deck um uns im Notfall zu helfen. Er schläft dann relativ schnell ein und lässt mich und Fadri das Segel trimmen und den Kurs gegebenenfalls anpassen. Ich hatte ziemlich Angst, dass wir direkt in das Gewitter Hinnein segeln und ziemlich gebeutelt werden würden. Allerdings hatten wir Glück und irgendwie ist das Gewitter links und rechts an uns vorbei gezogen und wir hatten nur starken Wind und ziemlich hohe Wellen. 

Die Schicht habe ich hauptsächlich damit verbracht die unglaublichen Blitze am Horizont zu beobachten und zu diskutieren wie wir das Segel oder den Kurs einstellen sollten. Nach 3 Stunden ging dann schon die Sonne auf und die Wolken haben sich geteilt. Wir haben ordentlich Strecke gemacht aber waren schon ziemlich müde. Ich falle praktisch ins Bett und werde von den Wellen einige Male hin und her geschoben aber das stört mich nicht besonders. Bis die Wellen stärker geworden sind und der Wind zugenommen hat. Fadri und ich waren in derselben Kabine und es war die ganze Zeit ein hin und her und hin und her und hat einfach nicht aufgehört. Ich glaube ich habe in der Schicht nur eine halbe Stunde tatsächlich geschlafen. Vor unserem Zimmer scheppert es ziemlich und ich muss nicht den Kopf heben um zu erraten, dass das ungewaschene Geschirr und das Ölzeug unter Deck durch die Gegend fliegt. 

Nach zwei Stunden gebe ich es auf und schaue auf das Deck hinauf. Mein Vater gibt mir ein strahlendes Lächeln und Lidwina sagt nichts. Wir fahren 9 Knoten. Fadri und ich begaben uns wieder auf das Deck und haben so noch das letzte bisschen bis Syrakus miterlebt. Mein Vater hat uns alle geraten etwas zu essen. Dies soll gegen Seekrankheit helfen, also holte ich eine Packung Zwieback (von denen wir Dank Emil und Elina eine Unmenge an Bord haben) und das hat tatsächlich geholfen.

Um 12:15 erreichen wir den Hafen in Syrakus und wir machen das Schiff ein wenig klar und dann geht es schon in die Stadt. Ich muss sagen, dass ich ziemlich müde war und die Stadt in einem Delirium durchwandert bin aber die Dinge die wir besichtigt haben waren alle sehr eindrücklich und ich bin glücklich dabei gewesen zu sein. Wir haben super gegessen in einem kleinen Restaurant mit typischer sizilianischer Küche bevor es los ging. Wir haben die Frischwasser quelle, den Tempel des Appolo und den Dom gesehen was alles unglaublich war. Der Dom war sehr interessant, da er verschiedene Bautechniken integriert hatte und so alte griechischen Säulen neben gotischer Architektur zu finden waren. Nach der Besichtigung gingen wir zurück an Bord und ich fiel 3 Stunden tot um. Daraufhin sind wir in ein super lokal Abendessen gegangen und dann auch früh schlafen gegangen, da alle ziemlich fertig waren. 

4. September

An diesem Tag hatten wir etwas besonderes vor. Mein Vater hat uns am Vortag angeboten mal ohne den Plotter zu fahren und stattdessen unsere Position mithilfe von Peilungen und Karten zu ermitteln. Wir haben uns auch überlegt eine weitere Nachtfahrt zu machen aber Lidwina hat gemeint, da wir genug Zeit hatten, das sie gerne noch einmal ankern möchte. Also planten wir unsere Route auf der karte und schrieben alle möglichen Informationen wie Kurs und mögliche Peilpunkte auf. Als wir versucht haben aus dem Hafen von Syrakus zu steuern gab es schon das erste Problem. Nach dem „ausparken“ habe ich das Steuer übernommen und Lidwina und Fadri mussten nach zwei Türmen suchen, welche, wenn sie in Deckung stehen, den perfekten Kurs zeigen um ohne Probleme aus dem Hafen auszufahren. 

Dies war leichter gesagt als getan und es hat einige Zeit gebraucht bis ich klare Anweisungen erhielt. Nachdem wir aus dem Hafen raus sind mussten wir noch um ein Kap herum aber ich überließ dieses Unterfangen der Lidwina. Diese hat hervorragende Steuer Künste wenn man mich fragt (mein Vater würde eventuell eine andere Antwort geben) und hat perfekt das Kap umsegelt . Wir haben dann auch die Segel ausgerollt um an dem Kap vorbeizukommen. 

Wir hielten also einen Kurs von ein wenig mehr als 200 Grad. Um 14:30 haben wir uns dann entschieden den Motor anzumachen. Die Strecke war ziemlich gerade mit wenig Wind und so war es ein sehr entspannter und ruhiger Tag. Mir kam das sehr gelegen nach der Aufregung der letzten Nacht. Wir haben hin und wieder Peilungen gemacht um uns unserer Position  bewusst zu machen. Mitten während der Fahrt haben wir einen Schwarm Delfine entdeckt, welcher ziemlich weit weg von uns in die entgegengesetzte Richtung schwamm. Als wir die Bucht von Porto Palo angesteuert haben gab es noch eine letze Aufregung, da wir überhaupt keine Ahnung hatten wo die angeschriebene Insel anfängt und wo welche Leuchttürme stehen. Es hat eine Weile gebraucht bis wir uns sicher waren wo wir hin müssen aber wir sind dann in Porto Palo eingefahren. 

Lidwina meinte, dass dies ihrer Meinung nach die schönste Bucht gewesen ist. Ich muss da ziemlich lachen, da die Bucht selber nicht wirklich spannend ist. Es hat einen schönen Strand aber die eine Hälfte der bucht ist voller verrosteter Fischerboote und das Wasser ist ziemlich vermmüllt. Aber Lidwina meint die Stimmung in der Bucht war die beste und da muss ich ihr schon ein wenig zustimmen. 

Nachdem wir angekommen sind wollte mein Vater eine Ankerkralle befestigen um die Ankerkette davon abzuhalten gegen den Bug des Schiffes zu scheuern. Während unserer anderen Ankernacht haben wir das ebenfalls gemacht aber mein Vater meint die eine Leine war nicht sicher genug befestigt. Also haben wir mithilfe von zwei Seilen die Ankerkette ein wenig vom Bug entfernt. Es war ein ziemliches rumziehen und Getue aber am Ende ist es aufgegangen. Daraufhin haben wir uns alle ein Bier geleistet und den wunderschönen Sonnenuntergang begutachtet. 

Mein Vater kochte eine Pasta mit einer interessanten Soße welche das restliche Huhn und Salami beinhaltete. Ich fand es köstlich. Danach blieb uns nichts anderes übrig als den Film „Master and Commander“ anzuschauen wo es um britische und französische Schiffe auf hoher See im 19. Jahrhundert geht. Sehr passend. 

5. September

Unser letzter Tag began sehr früh. Mein Vater hat einen Tisch in seinem neuen Segel Club in Valletta reserviert und wir mussten den Hafen rechtzeitig erreichen. Also ging es bereits um 7:00 morgens los. Wir haben an dem Tag wieder ohne Plotter und elektronische Hilfsmittel gearbeitet und so einen Kurs berechnet den wir nach Valletta nehmen sollten. Wir haben 2 Stunden versucht zu segeln aber der Wind war ziemlich ruhig also haben wir um 9:30 den Motor wieder angemacht. Der wind war den ganzen Tag relativ still aber langweilig war es trotzdem nicht. 

Unter anderen war der Weg zwischen Sizilien und Malta voll bepackt mir riesigen Container schiffen, welche uns fast schon umzingelt haben. Wir waren das einzige Segelboot weit und breit. Den Motor haben wir immer wieder an und aus gestellt aber der Wind kam, wenn er da war, aus einer günstigen Richtung um uns den Weg zu gewährleisten. Also haben Lidwina und Fadri eine (sehr sehr seltsame) runde Schiffe versenken gespielt und danach habe ich mich dazu gesellt und wir haben die Karten ausgepackt. Es gab eine runde Oh hell (in der ich immerhin 2. Platz war), dann eine runde Schweizer Mau Mau und eine Runde lügen. Lidwina ist eine skrupellose Kartenspielerin und ich wusste das aber ich habe mir nicht gedacht, dass sie nur aufgrund des Namens des Spiels (lügen) eine wichtige Regel so derart missachten wird, dass wir es nicht gemerkt haben bis ich schon gewonnen habe. Wir haben alle ziemlich gelacht und mein Vater war auch glücklich den kurz vor Valletta hat der Wind noch richtig zugenommen und ein Segelboot hat sich von hinten an uns heran geschlichen. 

Mein Vater sagt ja: „Ein Boot ist segeln und 2 Boote sind eine Regatta“. Das Boot war unerklärlicherweise immer schneller als wir also hat mein Vater sich an die Arbeit gemacht die Segel so perfekt wie möglich zu trimmen. Der Wind hat dann auch angezogen und wir konnten unseren Vorsprung zurück erobern. Später hat mein Vater mit dem Besitzer des anderen Bootes reden können, da er in derselben Marina lag wie wir. Er hat gesagt, dass er tatsächlich mit beiden Segeln den Motor angeschaltet hat und deswegen so viel schneller war. Als er gesehen hat, dass wir aber tatsächlich segeln hat er sich ebenfalls dafür entschieden und das war der Grund warum wir anschließend „gewonnen“ haben. 

In Valletta angekommen haben wir das Schiff ein wenig aufgeräumt und Fadri hat seine Sachen für seine Abreise am Samstag gepackt. Anschließend sind wir in den Yacht cCub meines Vaters spaziert und haben sehr gut gegessen. Es war ein sehr entspannter Abend mit guter Stimmung und Laune. Zurück auf dem Boot haben wir den fFlm fertig geschaut und sind dann zum letzten Mal während dieses Törns gemeinsam schlafen gegangen. 

4 Kommentare zu „Törn 3 Brindisi to Valletta“

  1. Spannend zu lesen! Ich freue mich schon auf viele weitere Geschichten!


  2. Super, 97l Wasser und einiges zu Essen! Mitlesen ist fast als ob man dabei wär 😉 Danke Valentin!


  3. Danke! Mitlesen ist fast wie dabei sein🙏🏻 Freu mich schon auf die nächsten Teile!! Ahoi! Ilse


  4. Avatar von Charlotte und Lucian
    Charlotte und Lucian

    Ihr Lieben, mit grossem Interesse haben wir euren Bericht von Brindisi nach Malta gelesen. Da habt ihr ja einiges erlebt und überstanden! Herzlichen Dank, dass Fadri diese Woche mit euch auf eurem Boot verbringen und seine ersten Segelerfahrungen machen konnte.
    Liebe Grüsse und gutes Weitersegeln, Charlotte und Lucian


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