Nur mehr zu dritt wollen wir das letzte Stück des Mittelmeers befahren. Ausserdem wird die Woche etwas kürzer, wir fliegen gemeinsam am Freitag nach Graz zurück, also müssen wir spätestens Donnerstag sicher ankommen. Zunächst wählen wir Malaga als Zielort aus, dort bekommen wir aber keinen Platz. Der Tipp eines befreundeten Seglerpaares ist Estepona, nochmals näher an Gibraltar, aber mehr Meilen zu segeln. Und die Bedingungen würden nicht leicht werden. Valentin schildert uns die Passage.
Crew: Alex, Jenny, Valentin
28. September
Der Törn begann, wie fast immer, mit einem Abschied. Alex und Mona verließen uns am Sonntag und sind zurück nach Deutschland geflogen. Das Einzige, was sie bei ihrer Rückreise nicht geplant hatten war der Fakt, dass die Busse in Spanien am Sonntag natürlich nicht fahren. Also mussten sie ein Uber Taxi nehmen. Inzwischen sind sie Heil angekommen und wir bedanken uns für die beiden wunderbaren Wochen, die wir mit ihnen hatten.
29. September
Für uns begann die Reise am Montag. Es ist nicht das erste Mal, dass wir einen relativ langen Törn mit mindestens einer Nachtfahrt nur zu dritt vor uns haben aber das Wetter war ziemlich stürmisch angesagt und wir haben uns nochmal eine Wiederholung von einigen safety procedures vom Skipper geben lassen. Der Plan war es mithilfe von zwei Nachtfahrten nach Malaga zu kommen und dann den Donnerstag für sightseeing zu benutzen bevor wir am Freitag in den Flieger steigen. Mein Vater hat als erstes an dem Tag die Marina in Malaga angerufen um nach einen Platz zu fragen aber diese war komplett ausgebucht. Das war schlecht. Wir haben uns ein wenig beraten lassen und sind so auf eine andere Marina in Estepona gekommen. Diese ist ungefähr 1,5 Stunden mit dem Auto vom Flughafen entfernt aber sie haben einen Platz. Wir mussten nur ungefähr 40 Meilen weiter als zuvor. Also haben wir abgelegt und sind aufs Meer hinaus. Nachdem wir aus dem Hafen raus sind war allerdings als allererstes komplette Windstille. Dies war erwartet. Wir waren sozusagen im Auge des Tiefs. Nachdem das an uns vorbeigezogen ist würde der Wind ordentlich zunehmen. Und wir lagen richtig. Das Problem war nur, dass der Wind komplett aus der Gegenrichtung kam.
Wir hatten bis zu 25 Knoten Wind und mussten ziemlich genau dagegen kreuzen. Wer unsere Fahrt Live mitverfolgt hat bestimmt gesehen wie wir gekämpft haben. Der Wind hatte genug Zeit um die Welle ordentlich anzutreiben und das gesamte Deck wurde gewaschen und durchgespült. Mehrmals ist uns der Bug völlig in die Welle eingetunkt und es sind riesige Wassermassen an uns vorbei geschwommen. Immerhin waren wir danach ein wenig sauberer. Im Cockpit war man ebenfalls nicht sicher und mein Vater ist ziemlich nass geworden.
So war das dann erstmal für eine Weile. Zunächst beide Segel im zweiten Reff. Wir haben aber dann wegen zu starker Krängung beide Segel weiter gerefft. Noch dazu mussten wir ein paar Fisch Farmen ausweichen die uns komplett den Weg versperrt haben. Ich war mit meinem Vater zu zweit, da meine Mutter ein wenig geruht hat aber wir hatten trotzdem einen ziemlichen Spass.

Nach einiger Weile hat der Wind ein wenig nachgelassen. Die tatsächlichen Wolken und das Unwetter ist gerade so am Land an uns vorbeigezogen und wir konnten ausreffen. Wir hatten dann Familien Schicht und meine Mutter ist wieder aufgestanden. Zu zweit haben wir eine Weile Wache gehalten während mein Vater geruht hat. Nachdem mein Vater wieder aufgestanden ist hat meine Mutter ein Abendessen gemacht. Der Wind hat um das Cap herum allerdings gedreht und wir mussten immer noch ziemlich kreuzen um es herum zu schaffen. Da wir Familien Schicht hatten konnte ich mich relativ früh schon hinlegen und habe die Möglichkeit genutzt um zu schlafen.
Unser Schicht System ist sehr gut für unsere momentane Besetzung. Wir haben immer drei Stunden Wache zwischen 0 und 12 von denen jede einer Person gehört und es eine Familien Schicht gibt wo alle an Deck sein sollten aber auch ruhen könnten. Ich und meine Mutter haben immer 6 stunden on, 6 stunden off während mein Vater nur 3 Stunden on 3 stunden off hat. So kann er uns helfen, falls wir irgendwo in einer unsicheren Situation sind.
30. September
Wie bereits gesagt fing, mein Tag um 3 Uhr an indem ich meinen Vater ablöste. Wir motorten schon seit einiger Zeit, da der Wind weiter nachgelassen hatte. Mein Vater hat dazwischen 2 mal die Genua dazu genommen, da der Wind wieder kurzfristig zugenommen hatte. Angeblich hatten er und meine Mutter ziemlich Probleme am vorherigen Tag um Cabo de Palos herum zusegeln.



Mein Vater hat sich zu mir gesellt und an Deck geschlafen und ich habe meine Schicht begonnen. Mir wurde geraten ich sollte einen Alarm stellen, da ich, wen ich alleine Schicht habe eine höhere Chance habe einzuschlafen, aber ich hatte keine Probleme. Es ist nicht viel passiert ausser einem Tanker, welchen mein Vater angefunkt hat. Ansonsten habe ich einmal alleine die Genua ausgerollt, da der Wind wieder gut stand aber diese habe ich gegen ende meiner Schicht wieder bergen müssen.
Um 6 Uhr ist meine Mutter dazu gestoßen und nun war offiziell Familien Schicht. Mein Vater allerdings war so müde, dass er sich nun unter Deck gehauen hat. Ich habe es noch bis 8 Uhr geschafft bevor ich wieder unter Deck verschwunden bin. Aufgewacht bin ich wieder um 10:30 und als ich nach oben gekommen bin habe ich gesehen, das wir Schmetterling gefahren sind. Direkt vorm Wind. Ausserdem waren einige andere Segelboote um uns herum. Mein Vater hat allerdings gemeint er würde liebend gerne das Parasail setzen und so machten wir uns an die Arbeit.
Es ist eine ziemliche Wurschterei bis man das Ding endlich oben hat aber anschließend haben wir es geschafft und nach einigen herumfummeln mit den verschiedenen Leinen stand es ziemlich gut und wir fuhren 6 Knoten. Wir mussten ein wenig Strecke einbüssen aufgrund des komplizierten Setzens des Segels aber als wir es dann oben hatten waren wir auf jeden Fall das coolste Boot von allen die dort waren und oben drauf haben wir sie alle wieder eingeholt.

Der Tag verlief ansonsten relativ entspannt. Meine Mutter hat sich nach der Segel Aktion hingelegt und mein Vater und ich haben den Vormittag in Frieden verbracht. Zu Mittag gab es einen kleinen Salat. Wir hielten konstant einen Kurs von ungefähr Westen. Der Wind war sehr schwierig vorherzusagen aber wir wussten, dass er im Süden stärker ist als bei uns und, dass er gegen Abend nachlassen werden wird. Wir haben den Plan gemacht das Segel bevor die Sonne unter geht zu bergen und dann zu schauen wie der Wind sich hält.
Den Nachmittag hab ich mit Lesen verbracht und ich habe nicht viel aus meine Umgebung geachtet. Als dann allerdings meine Schicht war hätte ich dies tun sollen. Mein Vater hat an Deck kurz die Augen zugemacht und mir ist aufgefallen, dass ziemlich viele Boote auf einmal unterwegs waren. Anscheinend sind die ganze Fischer genau während meiner Schicht von der See zurück zum Land gefahren. Wir hatten natürlich Vorrang, da wir das Segel draussen hatten (und das Parasail kann man wirklich nicht übersehen) und sie nicht ihre Netze hatten (also nicht manövrierbehindert waren) aber interessiert hat sie das deutlich wenig. Wir mussten nicht viel ausweichen aber einmal ist es ziemlich knapp geworden und mein Vater hatte den Motor angeschaltet aber es ging sich noch aus.
Unser Kurs hat sich über den Tag hinweg nicht viel verändert aber der Wind hat ein wenig nachgelassen und so haben wir vor dem Abendessen noch das Parasail wieder geborgen (was wieder erstaunlich gut funktioniert hat). Danach sind meine Mutter und ich schnell in das Wasser schwimmen gegangen. Wir hatten zwar nur einen Knoten Wind und Welle von achtern aber es hat einen trotzdem ziemlich vom Boot weggezogen. Wir haben beide nicht die Badeleiter losgelassen und sind nur ein paar Sekunden getrieben. Dies hat zur Abkühlung sehr geholfen.
Danach haben wir von meiner Mutter ein wenig Reis mit einem Gemüse Sugo bekommen, der erstaunlich füllend war. Nach dem Abendessen hat meine Mutter kurz vor ihrer Schicht um 9 die Augen zugemacht und mein Vater und ich haben in Ruhe den Sonnenuntergang beobachtet.

Und da habe ich endlich ein Phänomen beobachten können von dem wir mein Vater schon seit über einem Jahr erzählt. Die Sonne scheint ja in allen möglichen Farben, wenn sie untergeht aber mein Vater meint, dass das letzte Fitzelchen der Sonne kurz bevor sie im Meer verschwindet immer grün-türkis erscheint. Ich konnte dies noch nie beobachten (und alle unsere Mitsegler glaubten es eigentlich nicht) aber mein Vater hat es angeblich schon oft gesehen und dieses Mal hat er es sogar geschafft ein Foto zu schießen. Damit habe ich meinen Tag beendet und bin ins Bett.



1. Oktober
Natürlich begann mein Tag wieder um 3 Uhr morgens. Wir sind mit Motor und Genua gefahren, hatten immer noch Wind von achtern und einen Kurs von 265 Grad. Ich habe meinen Vater abgelöst und er hat gemeint, dass meine Mutter und er nachdem ich weg war noch einen Delfin gesehen haben, der um das Boot geschwommen ist. Schade das ich das verpasst habe aber diese Nacht war voller Phänomene für mich. Er hat mich dann alleine gelassen aber nicht bevor er mir etwas gezeigt hat. Als er mit der Taschenlampe auf das Wasser geleuchtet hat war ich kurz verwirrt, da ich nichts im Wasser gesehen habe. Aber nach einer kurzen Fokussierung habe ich gemerkt, was er meint. Auf dem Wasser sind lauter Lichtfunken gewesen, die aus dem Wasser hinaus und in das Wasser hinein gesprungen sind. Diese hatten mehrere Farben und sind immer wieder hin und her geflitzt. Ohne Taschenlampe konnte man sie nicht erkennen. Es waren wahrscheinlich Insekten (oder doch Wassertier, wer weiß ….), welche auf der Wasseroberfläche hin und her sind aber es gab der Nacht eine magische Atmosphäre.
Nachdem mein Vater verschwunden ist habe ich wieder auf das Wasser hinausgeblickt und mich sofort erschrocken. Direkt neben dem Boot ist irgendwas ganz nah an die Wasseroberfläche und wieder verschwunden. Ich konnte nichts erkennen ausser eines graublauen Körpers unter der Oberfläche. Nach ungefähr einer halben Stunde hab ich auch noch ein zweites Tier gesehen, dass ganz nah an die Oberfläche geschwommen ist und nach irgendwas geschnappt hat. Ich meinte eine Rückenflosse gesehen zu haben aber ich bin mir nicht sicher ob es ein Hai oder ein Delfin war. Ich glaube eher ein Hai weil für einen Delfin war es zu klein.
Das letzte was ich ebenfalls gesehen habe war eine andauernde Bioluminiscienz im Wasser, welche jede Welle, die unser Boot gemacht hat begleitet hat. Diese hat hin und wieder die Farben von grün auf blau gewechselt oder ist heller und dunkler geworden. Am Anfang war ich mir nicht sicher ob ich es mir einbilde oder ob die Schaumkrönchen wirklich besser zu erkennen sind. Ich konnte sie nur schwer filmen, da es so dunkel war aber ich hab ein kleines bisschen erwischen können. Ansonsten ist die Nacht nicht viel passiert. Einmal ist ein Tanker auf uns zugekommen und ich habe zu spät reagiert. Anstatt ihn anzufunken habe ich einfach die Geschwindigkeit rausgenommen, damit er mit einem guten Abstand vor uns durchfahren kann. Mein Vater ist daraufhin sofort aufgesprungen. Seit dem Öl Fiasko und dem Ventilator löst jedes kleine Geräusch im Motorraum eine gewisse Panik in meinem Vater aus und so hat ihn die reduzierte Geschwindigkeit sofort geweckt. Er hat gemeint ich hätte lieber einfach den Tanker anfunken sollen und ich glaube das werde ich nächstes Mal tun.
Kurz darauf ist meine Mutter aufgestanden und wir haben den Rest der Familien Schicht von 6-9 zu zweit in relativer Ruhe verbracht. Ich habe es wieder nicht ganz bis 9 geschafft und bin um 8 wieder ins Bett gegangen. Diese Nacht habe ich super geschlafen und bin erst um 12:30 wieder aufgewacht. Natürlich ging es direkt mit Arbeit weiter. Mein Vater wollte das Parasail wieder setzen und sofort nach dem Aufstehen bin ich ihm helfen gegangen. Wir waren schon relativ eingespielt mit dem Riesending und haben es ohne große Probleme hinbekommen. Danach haben wir den Motor ausgemacht und es war wieder Ruhe an Bord.
Der Wind war immer noch von achtern zwischen 10 und 15 knoten und unser Kurs lag immer noch bei 260-270 Grad. Über den Tag hat sich auch nicht viel geändert. Wir haben den Hafen angesteuert, den mein Vater ausgesucht hat. Mit 25 Knoten Wind und gutem Strom haben wir auch 7,5 Knoten gemacht und so verging die Strecke relativ schnell. Nach ein paar Stunden kam Estepona bereits in Sicht. Von dort aus kann man ebenfalls „The Rock“ von Gibraltar sehen.
Geborgen haben wir das Parasail vorm Hafen und sind hinein motort und haben ohne Probleme (abgesehen von einer verfehlten Festmacherleine von meiner Seite und eine ausgerutschte Mooring bei meiner Mutter) angelegt. Den Rest des Tages haben wir mit putzen verbracht und am Abend sind wir in eine nette Strandbar essen gegangen wo mein Vater und ich uns eine riesen Portion Paella bestellt haben, die wir leider nicht fertig bekommen haben. Vielleicht lag das an den sehr ausgiebigen Vorspeisen aber wer weiss.

Dieser Törn war vielleicht sehr kurz aber trotzdem sehr Segel lastig und ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit die wir geleistet haben.
2. Oktober
Nach einem Putz Vormittag und Arbeit an Bord beschlossen wir einen Ausflug nach Marbella zu machen.









Es hat uns gut dort gefallen. Ich konnte sogar eine neue Badehose finden, das war dringend notwendig.
Morgen geht es nach Graz, da kommt auch Emil dazu. Wir freuen uns alle darauf, dass wir ab nächster Woche zu viert auf der Vision sind.

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