Törn 8 – La Linea to Marina Rubicon in Lanzarote

Crew: Valentin, Emil, Jennifer, Alex

Das Mittelmeer hinter uns. Nun der Atlantik. Wir sind uns einig, das Abenteuer wird immer größer. Aber Scheibenweisen lässt es sich gut verdauen.

6. Oktober

Begonnen hat dieser Törn mit unserer Rückreise aus Graz. Dazu haben wir noch ein extra Crew Mitglied gewonnen: Emil. Endlich war die Wassermann Familie vereint und wir können das Abenteuer so richtig beginnen. Ich muss sagen, es war mal angenehm das Wochenende auf festem Boden zu verbringen und in einem richtigen Bett zu schlafen. Wir waren auch am Sonntag Abend in Estepona essen und die Stadt hat schon einen gewissen Charme wenn man weiss wo man hingeht. 

Wieder zurück begann dieser Törn mal wieder mit Arbeit. Nicht für mich, ich hab ausgeschlafen. Währenddessen hat meine Familie bereits gesaugt und das Deck einmal abgespritzt. Wenn mich jemand aufgeweckt hätte, hätte ich auch mitgeholfen aber mir waren die Hände im Schlaf gebunden. Nachdem das Boot geputzt wurde und unter Deck alles klar Schiff war, konnten wir los. Wir haben bei der Segelwerkstatt im Hafen von Estepona einmal unser Parasail ein wenig flicken lassen und unsere Vorstag Persenning nähen lassen. Diese haben wir bevor wir losgefahren sind noch abgeholt und dann ging es los. 

Ablegen hat um 3 Uhr ohne Probleme funktioniert. Wir hatten angenehme 15-20 Knoten Wind aus dem Nordosten und sind mit halben Wind nur mit dem Vorsegel gefahren. Es gab ein wenig Welle und die paar Tage an Land haben sich mit einem gewissen Schlechtheitsgefühl ausgedrückt. Die Fahrt war allerdings nur sehr kurz, da wir nur von Estepona Richtung Süden und um „The Rock“ rum mussten. Dieser hat fast immer eine gigantische Wolke oben auf der Spitze, welche jegliche Merkmale verbirgt. Trotzdem war er sehr imposant, als wir vorbeigefahren sind. Es war ein relativ angenehmer Tag und wir konnten bis um das Kapp herum segeln. Dann haben wir den Motor angemacht und sind in die große Bucht von Gibraltar hinein gefahren. 

In der Marina anzulegen war ein wenig schwierig. Zuerst sollten wir an der Tankstelle anhalten, damit wir uns anmelden konnten und dann wurde uns erst ein Platz zugewiesen. An der Tankstelle festzumachen war ein ziemliches Desaster aber es ist nichts kaputt gegangen. Es hat allerdings eine Weile gebraucht bis wir endlich fest waren. Nach einiger Zeit ist dann mein  Vater mit informationen über unseren Liegeplatz zurückgekommen und wir sind wieder los. An den Liegeplatz anlegen hat ebenfalls ganz okay funktioniert aber wir sollten uns noch ein wenig besser absprechen. 

Die Marina hiess La Linea und war sehr schön abgesehen davon, dass wir den Liegeplatz bekommen haben, der am weitesten weg von den Toiletten war. Anderseits eine sehr schöne und saubere Marina. Zu der Stadt musste man ein wenig laufen und da wir alle ziemlich erschöpft waren haben wir uns dazu entschieden ein paar Ravioli zu machen und an Bord zu essen. Danach haben wir den Film „The Professional“ angeschaut und sind prompt ins Bett gegangen. 

7. Oktober 

An dem Tag hatten wir vor uns Gibraltar anzuschauen. Gibraltar ist ja eine britische Stadt am Südende von Spanien. Trotz einiger Eroberungsversuche ist die Stadt immer noch englisch geblieben und zeigt das auch mit großer Freude. Als allererstes sind wir in Gibraltar tanken gegangen. Wir mussten nur für eine Stunde aus der Marina raus und über die Grenze fahren. Der Grund dafür: In Gibraltar ist der Sprit deutlich billiger. Anlegen konnte man an der Tankstelle ebenfalls ohne Probleme (obwohl ein französischen Boot, welches auch tanken wollte fast mit uns kollidiert ist) und wir waren sofort wieder weg. Allerdings nicht bevor mein Vater sich noch einige Snacks, welche ihn an seine Kindheit erinnerten, gekauft hat. 

Nachdem wir wieder in der Marina angekommen sind, sind wir auch schon zu Fuss los nach Gibraltar. Zuerst mussten wir über den Flughafen laufen. Der Flughafen von Gibraltar verläuft praktisch quer über die Grenze und wenn man einreisen will muss man über den Landing strip drüber. Nach dem einchecken, wo man nur kurz den Pass zeigen musste, waren wir auch schon dort. 

Gibraltar ist, um ehrlich zu sein, nicht eine Stadt die man gesehen haben muss. Es war sehr spannend durch die Stadt zu laufen und die ganzen englischen Details zu sehen (wie zum Beispiel ein „Look Right“ Kennzeichen am Boden vor jedem Zebra streifen).

Ziemlich lustig finde ich auch, dass „The Rock“ aufgrund seiner markanten Größe im Vergleich zum umliegenden Land immer eine Wolke oben drauf hat und dies in Gibraltar tatsächlich für ziemlich englisches Wetter sorgt. Als erstes haben wir natürlich ein englisches Lokal gesucht und haben Fish and Chips bestellt und ein Guiness getrunken für die volle englische Experience. Danach sind wir „The Rock“ mithilfe der Seilbahn hochgefahren. Wir waren etwas knapp bei Zeit aber ich empfehle jeden, der Gibraltar besuchen will, „The Rock“ hochzuwandern anstatt mit der Bahn zu fahren. Es ist gratis und sicher auch ein Erlebnis. 

Oben angekommen haben wir uns als erstes einen Drink gegönnt und dann haben wir schon die Affen gesehen. Sehr nette Tiere und nicht angsteinflössend. Wir haben uns danach entschieden den Berg hinunterzuwandern. Auf dem Weg haben wir noch die Siege Tunnels besucht, welche eine sehr interessante Ausstellung über die Geschichte von Gibraltar hatten. Nach einiger Zeit dann sind wir zurück bis zum Boot gewandert und ich habe mich erst mal hingelegt, da ich so müde war. Danach sind wir mit Segelfreunden meines Vaters zusammen essen gegangen und sie haben uns von ihren Erlebnissen erzählt. 

Wir waren uns zu dem Zeitpunkt noch nicht sicher wie wir unsere Strecke gestalten wollten. Wir haben uns überlegt als Buddy-Boat mit einen der Freunden meines Vaters mitzusegeln aber die wären ein bisschen zu spät für unseren Zeitplan abgesegelt. Unsere andere Möglichkeit wäre, am Mittwoch direkt loszusegeln und eventuell noch bis nach Madeira zu kommen. Von Madeira könnten wir dann runter nach Grand Canaria. Dafür haben wir uns letztendendes entschieden, da meine Mutter eine Mediation hat und für diese rechtzeitig in Las Palmas sein sollte. 

Also war der Plan am nächsten Tag so früh wie möglich aufzustehen um der Tide aus dem Weg zu gehen. Mein Vater hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und er meint, dass es nur zu bestimmten Zeiten einen Strom aus dem Mittelmeer raus, aber ansonsten es immer einen konstanten Strom vom Atlantik in das Mittelmeer hinein gibt, da das Wasser dort so viel schneller verdampft. Also mussten wir so früh wie möglich aufstehen um die Tide auszunutzen. Das andere Problem, das eventuell auftreten hätte können sind die Orkas. Innerhalb der letzten Jahre haben die Orkas in der Nähe von Gibraltar angefangen Segelschiffe anzugreifen und ihnen das Ruder abzubeissen. Unser Nachbar in Valetta hat so eine Attacke überstanden aber er meinte es war eines der schlimmsten Erlebnisse seines Lebens. Mit dem Gedanken sind wir ins Bett gegangen. 

8. Oktober 

Die Familie ist gemeinsam um 4 Uhr morgens aufgestanden. Emil und ich haben das Fenster offen gelassen und wurden die ganze Nacht von Mücken geplagt. So waren wir schon ziemlich müde und grantig als wir aufgestanden sind. Eine Dusche später ging es dann schon besser. 

Ablegen konnten wir ohne Probleme. Die Sonne war noch nicht oben und den Morgen haben wir damit verbracht verschiedenste Lichter zu identifizieren. Es liegen in dieser Bucht relativ viele große Containerschiffe vor Anker und in der Nacht ist es schwierig zu unterschieden, wie weit weg ein gewisses Boot ist. Mithilfe des AIS konnten wir uns da herausschlängeln. 

Nachdem wir die Bucht verlassen haben hieß es Ausschau halten! Ungefähr 10% aller Segelboote, welche das Mittelmeer verlassen werden von den Orkas angegriffen. Die letzte Sichtung war 2 Tage bevor wir abgelegt haben. Wir haben uns dazu entschieden, dass alle an Bord bleiben und Ausschau halten werden. Der Plan war, sobald wir eine Rückenflosse im Wasser sehen sofort den Rückwärtsgang einzuschalten. Andere Segler verwenden verschiedene Taktiken wie zum Beispiel: Metallstangen schlagen um Lärm zu erzeugen, Sand ins Wasser zu leeren oder Bomben ins Wasser zu werfen. Wir haben uns für die Taktik entschieden, da wir alle anderen Hilfsmittel nicht hatten. Die Theorie ist, dass die Orkas die Ruder als „Probe“ für die Jagd verwenden und so würden wir indem wir rückwärtsfahren ein uninteressantes Ziel darstellen. 

Also der Morgen war sehr angespannt und wir haben alle Ausschau gehalten. Wir sind an der Nordseite vorbeigefahren, da in der Mitte ein Verkehrstrennungsgebiet ist in dem die ganzen Containerschiffe fahren. Die Idee war, so früh wie möglich in den Süden abzubiegen und dann das normale Schichtsystem zu eröffnen sobald wir ausserhalb der Gefahrenzone sind. Um 9:00 haben wir die Genua mit dem Motor ausgerollt. Wir hatten am Anfang noch Wind aus 200 Grad und wir mussten als wir in den Süden abgebogen sind ein wenig kreuzen bevor der Wind genug gedreht hat. Wir haben zum Glück nichts ausser riesigen Containerschiffen gesehen. Ausserdem sind wir während unserer Fahrt durch die Zeit Zone gefahren und hatten so eine Stunde extra bis 12.

Danach sind Emil und ich schlafen gegangen. Das neue Schichtsystem zu viert funktioniert, indem wir die 12 Stunden des Halbtages einfach durch 4 teilen. Wir haben 2 Zeiten des Tages (von 8-10 Uhr und von 17-19 Uhr) in denen Familienzeit ist und wo wir vor allem gemeinsam essen. Meine Schicht beginnt erst um 9 aber ich habe mir einen Wecker für 6 gestellt um zum Essen zu erscheinen. Als ich wieder aufgewacht bin waren wir schon ein wenig weiter von Land entfernt. Mein Vater hat ebenfalls das Gross ausgerollt und um 10 Uhr sind wir mit beiden ins Reff 1.

Wir hatten konstanten Wind von ungefähr 300 Grad zu dem Zeitpunkt und sind mit der ausgerollten Genua und dem gerefften Grossegel gefahren. Der Wind hatte eine Stärke von ungefähr 10 Knoten. Unser Kurs war ziemlich genau 220 Grad und ich bin ganz ehrlich diese Konstellation hat sich für mindestens den nächsten ganzen Tag nicht geändert. 

Meine erste Nachtschicht habe ich zur Hälfte alleine verbracht. Mein Vater hat mich kurz begleitet aber bis Mitternacht war ich dann alleine. Sie war ziemlich unspannend und es ist nichts passiert. 

9. Oktober

Meine nächste Schicht war um 9 Uhr und da bin ich auch aufgestanden. Emil hat noch geschlafen. Oben an Deck waren meine Eltern bereits wach und haben über Frühstück geredet. Der Wind hat sich nicht verändert und wir sind immer noch mit dem Gross im zweiten Reff und mit einem Bullenstander und das Vorsegel im ersten Reff gefahren. 

Der Tag war ziemlich langweilig. Weder der Wind noch die Welle haben sich irgendwie verändert. Es war ein ziemlich ruhiger Tag mit ein wenig Krängung und ansonsten ohne vielen Ereignissen. Es war allerdings ein schönes Gefühl tatsächlich auf dem Atlantik zu segeln. Wir haben uns am Abend entschieden nach Lanzarote zu Segeln und Madeira leider auszulassen, da der Wind ansagt, dass ein ziemlich großes Tief über den Atlantik fahren wird und ein Schlenker von dem eventuell bis nach Madeira kommen könnte. Das würde bedeuten, dass wir komplett gegen den Wind nach Grand Canaria segeln müssten und das wäre definitiv suboptimal. 

Zum Abendessen gab es Risotto mit Wirsing. Meine Nachtschicht war ebenfalls sehr langweilig. Insgesamt ein angenehmer Tag aber wir haben die Ruhe und Langeweile nicht genug geschätzt, da wir nicht wussten, was am nächsten Tag auf uns zukommen wird. 

10. Oktober

Der Tag begann wieder relativ angenehm. Wir hatten immer noch wind aus 340-350 Grad bei nicht über 15 Knoten. Aufgestanden bin ich pünktlich um 9 Uhr und der Tag war wieder relativ ruhig und angenehm. Wir haben den Tag mit lesen und quatschen verbracht. Der Wind hat immer mehr gegen Norden gedreht und so hat mein Vater sich entschieden um 12 Uhr das Oxley zu setzen. Mein Vater und ich haben uns auch daran gemacht den Spiebaum auszuprobieren. Diesen konnten wir mit dem Oxley verbinden um das Segel schön weit draußen zu halten. Dies hat sich als großartig herausgestellt, da wir bis zu 8.5 Knoten gefahren sind. Emil und ich haben den Nachmittag am Laptop verbracht und er hat sich Lektionen von seiner Universität angeschaut während ich den Blog geschrieben habe. Der Wind hatte dann den ganzen Mittag und Nachmittag Zeit um die Wellen anzutreiben und so war es um 6 Uhr bereits ziemlich wackelig überall. Unter Deck hab ich einen Teig für den nächsten Tag vorbereitet während meine Mutter das Abendessen vorbereitet hat. 

Nachdem ich mit meinem Teig fertig war hiess es All Hands on Deck. Mein Vater wollte das Oxley bergen. Der Wind hat zu stark zugenommen als das wir es weiter fahren konnten. Es hatte bereits über 15 Knoten und die Böen waren bis zu 20 Knoten. Mein Bruder und mein Vater haben sich an die Arbeit gemacht, den Socken herunterzuziehen von vorne an Deck während meine Mutter und ich im Cockpit saßen um die Schoten zu bedienen. Der Wind war bereits so stark, dass sie den Socken nur mit der Winsch runter gezogen haben aber er hat anscheinend immer noch gehangen. Das Segel hat sich einfach nicht zusammenlegen lassen. 

Für die die nicht wissen wie das Oxley funktioniert: Der Socken kann das ganze Segel in sich einwickeln und wenn man das Segel setzt, zieht man einfach den Socken zusammen und er geht bis ganz nach oben und das Segel fällt aus ihm heraus und setzt sich praktisch von selber. Wenn man das Segel wieder bergen will dann lässt man den Socken einfach hinunter und das Segel füttert sich selbst in den Socken hinein. Der Segel und der Socken sind beide an einem Fall oben am Mast befestigt, dass heisst, dass man nachdem der Socken ganz unten ist einfach das Fall runterlassen kann und dann das Segel schön aufgeräumt in einer langen Wurst hat. 

Mit dem Hintergrundgedanken könnt ihr euch bestimmt meinen Schrecken vorstellen als der Socken gerissen ist. Anscheinend hat er irgendwo gehangen oder irgendwas ist schief gegangen aber als mein Vater und mein Bruder mit der Winch am Segel gezogen haben ist der Eingang des Sockens, in dem das Segel einfüttern sollte, gerissen. So hatten wir schon unsere Notsituation. Hohe Welle, die ungleichmässig in beide Richtungen stark war, starker Wind und ein voll gesetztes Oxley. 

Wie haben wir diese Situation bewältigt?

Als allererstes mussten wir irgendwie das Oxley bergen und dann verräumen. Der Spiebaum war zu der Zeit egal, da der mit zwei Leinen befestigt war und nur eine Schot durch ihn geführt hat, welche wir im Nachhinein lösen konnten. Mein Vater hat den Plan aufgestellt, das Oxley in das Boot hinein zu bergen. Also werden wir das Schot Horn von der backbord Seite mithilfe der elektrischen Winch zu uns ziehen und dann handlich das Segel unter Deck ziehen bis der WInd draussen ist. Diesen Plan haben wir gestartet mit Emil und meinem Vater an der Winch, ich an der anderen Schot und meine Mutter an dem Fall um freizugeben. Nach einigem Ziehen haben wir das Schothorn bereits bei uns. Das Segel hat ziemlich geflattert und der Wind hat das Oxley immer noch sehr stark weggedrückt. Dann ist das zweite Unglück passiert. 

Es ist ein wenig schwierig zu sagen was genau passiert ist. Ich sass an der Schot und habe meinen Bruder und meinen Vater genau beobachtet. Sie sassen beide an der Backbordwinch und mein Vater hat meine Mutter und meinen Bruder dirigiert. Irgendwann hat mein Vater den Befehl gegeben die Schot noch mehr hineinzuziehen und dann hat er nach dem Winch Knopf gegriffen. Mein Bruder allerdings hat seinen Befehl befolgt und hat ebenfalls die Winch auf dem langsameren Gang betätigt. In dem Moment wo die beiden gleichzeitig die beiden Knöpfe für die selbe Winch betätigt haben ist die komplette Elektrik ausgefallen. Uns ist das zuerst gar nicht aufgefallen, nur dass die Winch nicht mehr zieht. Dann hat das Boot sich komplett gedreht, da der Autopilot plötzlich weg war und die ganzen Instrumente haben einen schwarzen Bildschirm angezeigt. 

Nun gut, wir haben ein bisschen gebraucht um uns zu orientieren. Ich habe mich ans Steuer gesetzt und mein Vater und mein Bruder haben versucht die Winch wieder in gang zu kriegen. Nach kurzer Zeit ist uns aufgefallen, dass jedes Mal, wenn man den Winchknopf drückt, die ganze Elektrik ausfällt. Also wir mussten das Segel manuell bergen. Mein Bruder hat die Schoten vom Schothorn abmontiert und hat versucht es in das Cockpit zu ziehen. Nachdem das nicht funktioniert hat ist mein Vater nach vorne gegangen um das Segel per Hand aus dem Wind und an Deck zu ziehen. Ich hab nirgendwo gesehen wo ich helfen kann und hab auf Befehle von meinem Vater gewartet. Als ich das Segel beobachtet habe konnte ich perfekt erkennen wie das Segel der Reihe nach gerissen ist. 

Mein Vater hat meinen Bruder weiter dirigiert, das Segel hineinzuziehen während er es langsam an Bord gearbeitet hat. Das Segel ist nicht ganz entzweit, da die Enden zu dick sind als das sie reißen konnten. So lag der Großteil des Segels an Deck vorne während der gerissene Teil hinten ins Cockpit gehalten wurde. Ich bin daraufhin nach vorne um meinem Vater zu helfen. Er hat den Plan geändert und hat einfach das ganze Segel so genommen wie es lag und in die vordere Last gestopft. Ich habe versucht ihm zu helfen, indem ich ihm das Segel, was an Deck lag gegeben, die Schoten aus dem Weg geräumt und mich auf das Segel gelegt habe damit es nicht davon fliegt. Nach einiger Zeit hat mein Vater einen Großteil des Segels bereits in die Segellast gestopft bekommen und ich habe die Schoten demontiert und meine Mutter hat sie in das Cockpit gezogen. Emil hat zu der Zeit gesteuert, da wir dem Autopilot noch nicht vertraut haben. 

Nachdem das Segel verräumt war haben wir uns dem nächsten Problem zugewandt. Der Elektrik. Mein Vater hat mit dem Installateur des Systems geredet. Wir waren uns zu dem Zeitpunkt nicht sicher, was das Problem der Elektronik ausgelöst hat aber er hat gemeint, dass wahrscheinlich zu viel Druck auf der Winch aufgrund des Segels war und, dass das der Grund sei. Das genaue Problem war, dass jegliche Winch, die wir betätigt haben die ganze Elektronik für kurze Zeit ausgeschaltet hat. Dazu hat eines der Systeme nicht mehr funktioniert und der Inverter hat nicht mehr funktioniert (das war mit Abstand das Schlimmste). 

Nun gut, das Alphasystem (eines unserer Monitore an Board, das gar nicht mehr funktionierte) haben wir nach einem kompletten Neustarts des Systems wieder auf die Reihe bekommen. Danach haben wir die Genua mithilfe der Winchen gesetzt. Wir konnten sie immer noch bedienen aber wir mussten halt jemand an das Steuer setzen bis der Autopilot wieder an war. Wir haben also den Spibaum auf die andere Seite gebracht und die Genua im ersten Reff gesetzt und dann hat mein Vater sich noch einmal die ganzen Systeme angeschaut. Meine Mutter hat das Abendessen fertig gekocht und wir haben anschließend gegessen und darüber geredet, was jetzt zu tun ist. 

Also, da der Inverter nicht mehr funktioniert hatten wir nur noch Gleichstrom an Bord. Das heisst wir hatten keine Steckdosen und keinen Herd zumindest nicht bis der inverser wieder funktioniert. Der Generator hat nicht funktioniert und die Batterien mithilfe des Motors zu laden haben wir nicht ausprobiert. Der Plan war, so wenig Strom wie möglich zu verwenden bis wir in Lanzarote ankommen. Den Autopiloten haben wir also ausgeschalten und wir haben das Schichtsystem abgeändert, sodass immer zwei Leute Schicht haben. Emil und ich haben uns bis 9 abgewechselt mit dem Steuern und als dann meine Mutter aufgestanden ist um uns abzulösen haben wir zur Motivation „Johny was a parachuter“ gemeinsam gesungen. Meine Mutter und mein Vater hatten von 9 bis 1 Uhr Schicht also haben Emil und ich uns ins Bett gehauen. Leider war die Welle und der Wind immer nicht relativ stark und so war es schwierig eine bequeme Schlafposition zu finden. 

Wir haben das nicht mehr mitbekommen aber mein Vater hat nachdem wir uns hingelegt haben zum Glück es geschafft den Inverter wieder anzuschalten. Wir hatten also wieder Strom. Trotzdem haben wir aufgrund der Unsicherheiten der Winchen das zweier System für die Nacht beibehalten. Das einzige Problem, welches wir jetzt noch haben ist, dass der Generator nicht funktioniert. 

11. Oktober

Emil und ich sind um 1 Uhr für unsere Wache aufgestanden. Uns wurde natürlich sofort mitgeteilt, dass der Inverter funktioniert und wir nicht die ganze Nacht steuern müssen um Strom zu sparen. Eine große Erleichterung. Dann hatten wir natürlich das Problem das wir irgendwie 4 Stunden lang wach bleiben mussten aber Emil und ich haben uns schon seit einer Weile nicht mehr gesehen und wir hatten viel, was wir besprechen mussten. Also alleinige Schichten sind gut, wenn man viel schlafen will aber zweier Schichten sind gut, wenn man einen Gesprächspartner braucht, um wach zu bleiben. 

Um 5 sind Emil und ich wieder schlafen gegangen und unsere Eltern haben übernommen. Sie haben irgendwann in der Nacht ausgerefft und als Emil und ich um 9 wieder an Deck gekommen sind haben wir die Winchen noch einmal getestet. Alle haben funktioniert ohne die Elektronik rauszuhauen aber die Genuawinch, welche das Problem begonnen hat haben wir ausgelassen. Ausserdem hatte es zwei Winchen, welche nicht mithilfe der Kurbel bedient werden konnten. Wir haben diese mithilfe eines Hammers und Holzpflöcken wieder gerichtet und jetzt funktionieren alle Winchen mechanisch wie auch elektronisch. (Nein, das mit dem Hammer war zwar ernst gemeint, am Ende ging es aber mit einfacheren Mittel – es war nur eine Schraube nicht ganz fest).

Meine Mutter hat uns ein kleines Frühstück gemacht und gerade als ich zurück zu den hängenden Obstkörben am Heck gegangen bin wurden wir von Fortuna geküsst. Ganz auf einmal war ein riesiger Schwarm Delfine bei unserem Boot! Diese sind die großen Wellen geritten und haben sich mehrmals in die Luft gehauen um Tricks zu machen. Sie sind vor unserem Bug mehrere Stunden mit uns mitgeschwommen. Ich muss sagen wir haben dieses Glück echt verdient nach dem Fiasko am Freitag. 

Wir sind immer noch denselben Kurs von ungefähr 210 Grad gefahren mit einem Wind von 15 Knoten aus 350 Grad. Der Wind hat bis zur Nacht auf 20 Knoten zugenommen und wir haben um 9 Uhr am Abend gerefft. 

Über den Tag hinweg haben wir insgesamt 3 große Delfinschwärme gesehen wo immer wieder ein paar einzelne bei unserem Boot geblieben sind und um den Bug geschwommen sind. Ansonsten wurde die Welle über den Tag hinweg immer stärker. Die Welle kam ziemlich genau von hinten mit einem leichten Gang zu Steuerbord. Da wir immer noch vor dem Wind gefahren sind hat diese Welle es schwierig gemacht irgendeine bequeme Position zu finden. Wenn es Krängung hat hat man wenigstens eine Richtung an der man sich orientieren kann aber bei der Welle hat es kein oben und unten mehr. 

Zum Abendessen haben wir kalt gegessen und ich habe mein Pfannen Brot für die Familie gemacht. Eine ziemliche Challenge zum Essen und zum Machen. Das normale Schichtsystem ging weiter und ich bin bis 12 Uhr an Deck geblieben und habe entweder den Blog geschrieben oder mir einen Podcast angehört. Es war eine sehr frustrierende Schicht, aufgrund der extremen Welle und der hohen Müdigkeit vom Vortag. Mein Vater konnte unter Deck bei der Welle nicht schlafen und hat sich um halb 11 zu mir gesellt. Ich konnte tatsächlich super schlafen, da ich die perfekte Verkeilung in meinem Bett gefunden habe um den Wellen zu widerstehen. 

12. Oktober

Die Nacht war absolut schrecklich. Der Wind war über die Nacht hinweg immer zwischen 20 und 25 knoten. Ich konnte super schlafen, da ich mich wieder eingeklemmt habe aber der Rest der Crew hatte anscheinend eine schreckliche Nacht. Mein Vater hat gemeint, dafür dass er praktisch nicht geschlafen hat, wurde er zum Glück mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt (dieser ist auf Instagram zu finden). Dazu haben Emil und mein Vater während Emils Schicht von 3-6 kurz versucht mit dem gross Segel Schmetterling zu fahren, da der Wind immer mehr Richtung Osten gedreht hat, aber dieses Unterfangen haben sie bald wieder aufgegeben. Die Welle war zu stark für den Schmetterling.

Aufgestanden bin ich wieder um 9 Uhr. Ich war relativ müde aber meine Schicht habe ich durchgestanden. Ich hatte einen Brot Teig noch übrig und wir haben den zusammen mit einer Eierspeise gegessen. Nach dem Frühstück haben wir das Groß gesetzt um ein bisschen mehr Fahrt zu machen. Die ganze Familie war ziemlich fertig von der Nacht und so war es ein sehr fauler und erschwerter Tag. Wir haben uns schon alle auf die Marina und die Dusche gefreut.

Wir wurden noch zweimal von Delfinen beglückt und langsam wird es schon fast langweilig wie viele wir von denen sehen. Es ist wirklich jedes Mal ein zauberhaftes Erlebnis sie aus dem Wasser springen zu sehen. Der Wind hat nachgelassen auf 10-15 knoten und er hat immer weiter Richtung Osten gedreht. Wir wurden immer langsamer aber es gab nicht wirklich irgendwas was wir machen konnten.

Den Rest des Tages haben wir meistens an Deck verbracht und haben entweder gehalst um Richtung Ziel zu kommen oder Dichter genommen in der Hoffnung besser zu fahren. Ansonsten hab ich den Blog geschrieben bis wir um ungefähr 15:15 in den Hafen eingefahren sind. Wir mussten wieder erst an der Tankstelle anmachen bis wir unseren Platz bekommen haben.

Als wir dann endlich angelegt haben kam dann die große Müdigkeit. Wir sind als allererstes zusammen duschen gegangen und ich habe dann den Rest des Tages den Blog geschrieben.

Das war unsere erste tatsächliche Atlantik Erfahrung als Familie und es war einerseits sehr anstrengend aber auch sehr bereichernd. Ich kann es kaum erwarten zu sehen was wir noch auf dieser Reise erleben werden und ich danke all unseren Fans und Familie die das hier mitlesen. Wünscht uns weiter Glück auf unserer reise und schaltet nächste Woche wieder ein!

20 Kommentare zu „Törn 8 – La Linea to Marina Rubicon in Lanzarote“

  1. Euer Abenteuer geht wirklich weiter… und schön, dass ihr jetzt einen wohlverdienten Landgang habt. Delfine sind zauberhaft… und ein großes Glück, dass es nicht ihre Verwandten die Orcas waren. Ich halte euch weiterhin die Daumen und eine glückliche und auch erfahrungsreiche Reise. Liebe Grüße an die Familiencrew.


    1. Liebe Lissy, ja, wir sind auch sehr froh dass es so viele Delfine waren und gar keine Orcas. Die Anspannung in der Strasse von Gibraltar war schon recht gross. Aber nun sind wir schon sehr entspannt hier auf den Kanaren. Lieben Gruss nach Österreich von uns allen an Bord.


  2. Lieber die Rückenflossen von Delfinen als von Orkas! Gut durch die eine Sache durchgekommen, folgt gleich das nächste unerwartete Problem, ihr habt wahrhaft genug Herausforderungen zu meistern! Weniger davon und mehr Freuden wünsch ich für den weiteren Weg 😉


    1. Tägliche Herausforderungen halten fit. Wir sind schon ganz gut darin … Weniger wäre aber tatsächlich auch mal ok.


    2. Wenn nichts passieren würde wäre es ja langweilig. Diese Geschichten könnt ihr alle dann euren Enkeln erzählen… beide Generationen 😉

      Weiterhin nur handle-bare Ereignisse, wünsche ich euch, die schweissen zusammen!

      Muss man noch Ersatzteile nach Las Palmas mitbringen?


      1. Die Ersatzteile, die wir noch brauchen sind alle schon im Zulauf und werden von diversen Helfern mit nach Las Palmas gebracht. Danke dafür!


  3. Avatar von Cousinchen 😀
    Cousinchen 😀

    Sehr spannend und abwechslungsreich deine Berichte lieber Valentin 😊, jetzt habt ihr es verdient, genießt die Ruhe an Land.
    Was sind denn das für Süßigkeiten aus deiner Kindheit lieber Alex?
    Weiterhin alles Gute, bin froh, dass die Orkas euch in Ruhe gelassen haben 🥰 Bussi


    1. Siehe auch Antwort auf Tantchen‘s Kommentar. Flake 99 und Chocolate Digestives.


  4. Avatar von Eberhard-Hölzl Maria
    Eberhard-Hölzl Maria

    Wie spannend ist Valentins Bericht !!
    Viele Herausforderungen, die ihr Gottseidank immer lösen könnt.
    Eigentlich wünschen wir euch eine ruhige Weiterfahrt ohne Hiobsbotschaften!
    Ihr macht das schon – wir halten die Daumen und folgen eurem Blog
    Liebe Grüße aus Brittany
    Maria und Wolfgang


    1. Euch auch eine gute Zeit in der Bretagne. Auch für uns ein Favorit aller unserer Urlaube.


  5. wieder ein lustiger, spannender Bericht! ihr erlebt ja im Auftakt mehr als ich bei einer Überquerung oder im ganzen Segelleben erlebt habe. Fazit: ihr seid gut für den wichtigsten Teil über den Atlantic vorbereitet….hoffe ihr habt genügend Bücher dabei oder im Pad. Weiter viel Spass, wir verfolgen euch täglich!


  6. Avatar von Tantchen

    Der geneigte Leser freut sich,dass Alex zwischen all den Aufregungen einen Ausflug in seine Kindheit machen durfte. Mit welchen Hilfsmitteln genau?


    1. Liebe Astrid, in Gibraltar gab es Chocolate Digestive Bisquits und Cadbury Flake Bars. Beides Süssigkeiten, die mich an meine Kindheit in England erinnert. Allerdings vor allem deshalb, weil sie verboten waren und wir immer Freunde gebraucht haben, die mir das dann gekauft haben. 😉


  7. Für mich sind die Berichte von Valentin „Segelchinesisch“, und am 8. Oktober gings mir so wie bei den Krimis: bevor der Mord passiert bin ich schlafen gegangen. Das gIng hier nicht so, ich habe trotzdem weiter gelesen. Ich hoffe es geht beschaulicher weiter. A hoi!


    1. Ja, die Seglersprache ist etwas eigen. Und dann auch noch im Englischen, Französischen, Spanischen und Deutschen vollkommen unvergleichbar. Man lernt sozusagen nie aus. Danke fürs Mitlesen. Und in der Seglersprache wünscht man dann entweder Mast und Schotbruch oder Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. LG von allen Visionisten.


      1. Gut, dass ich jetzt den zweiten Wunsch auch kenne. Den ersten wollte ich nie verwenden, denn ihr erlebt schon genug😇. Alles LIebe


  8. Avatar von Margit Mayerhofer
    Margit Mayerhofer

    Es ist tatsächlich für mich unglaublich, was ihr, mittlerweile zu viert, alles bewältigen müsst, und dabei anscheinend noch immer recht „cool“ bleibt. Valentins Bericht ist so spannend, dass man nicht aufhören kann mit Lesen. Kaum habt ihr eine Sache geschafft, lauert schon die nächste Katastrophe. Was passiert jetzt mit „hineingestopften“ gerissenen Segel? Müsst ihr das nun wohl reparieren lassen? Ich versteh ja null vom Segeln…
    Alex, ich wusste gar nicht, dass deine Eltern so streng waren und du diese englischen Schokoladen nicht essen durftest!
    Ich halte euch jedenfalls ganz fest die Daumen, dass die Aufregungen zumindest nicht mehr werden, weniger wäre für euch wahrscheinlich schon fast langweilig!!!
    Alles, alles Gute, bleibt weiterhin so ein tolles Team, ich warte mit Spannung auf den nächsten Bericht! 👏😎🙏🐬🥰


    1. Liebe Margit, wie Du im neuen Blog Beitrag lesen kannst, das Segel wurde bereits repariert. Man kann sich das wie in einer Schneiderei vorstellen, allerdings mit anderen Stoffen und viel größeren Nähmaschinen. Lieben Gruß von allen Visionisten.


  9. Avatar von Charlotte
    Charlotte

    Hallo zusammen
    Vielen Dank für deine superspannenden Berichte, Valentin!
    Mich würde interessieren, wie viele Nachtfahrten im Mittelmeer ursprünglich in etwa geplant waren?
    Liebe Grüße aus dem goldenen Engadin


    1. Liebe Charlotte, Valentin bat mich zu antworten: In der ursprünglichen Planung waren vier längere Wochen-Etappen (zwischen 300 und 400 Meilen) im Mittelmeer geplant, diese längeren Strecken waren mit 2 – 3 Nachtfahrten geplant, um die Gesamtstrecke zu erreichen. Durch unser Missgeschick mit dem Motor mussten wir am Ende zwei dieser Etappen (Sardinien – Balearen und Balearen – Spanien) zu einer kombinieren.

      Zur Information: Wir können mit der Vision ungefähr 140 – 160 Seemeilen innerhalb 24h schaffen (das nennt man übrigens ein Etmal). Mit dem Motor fahren wir im Schnitt 6 Knoten (also 6 Meilen pro Stunde) und unter Segel fahren wir zwischen 4 und 8 Knoten.

      Liebe Grüße ins Engadin aus dem immer noch sommerlichen Gran Canaria.


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