16.11.25-20.11.25
Crew: Alex, Jenny Emil, Valentin
Autorin: Jenny
Diesmal nehme ich Euch mit auf zwei der Inseln auf den Kap Verden. Wir liegen im Hafen von Mindelo auf der Insel Sao Vicente. Die Insel wurde 1462 entdeckt und bald darauf von Portugal in Besitz genommen. Zuerst wurde die Insel nur als Weide für Vieh benutzt, da es keine natürlichen Wasserquellen gibt. Insgesamt wurden die Kap Veden ein wichtiger Umschlagplatz für den Sklavenhandel bzw. den gesamten Überseehandel. Der Naturhafen von Mindelo war lange Zeit auch ein Schlupfwinkel für Hochseepiraten, da die Insel unbewohnt war. In den 1850er Jahren entwickelte sich Mindelo zu einem großen Kohleumschlagplatz und wenig später war es die größte Umschaltstation britischer Telegraphen Gesellschaften. Den portugiesischen Einfluss sieht man in der ganzen Stadt.
Heute ist Mindelo ein kulturelles Zentrum der Kap Verden, auch die Sängerin Cesaria Evora stammt von hier. Es gibt viele Bars mit Live Musik und grundsätzlich scheint von Mittwoch bis Samstag gefeiert zu werden. Außerdem ist der Hafen für Kreuzfahrt Schiffe angelegt, die regelmäßig hier halten und ihre Urlaubermassen ausspucken.
Nun springen wir zurück zu Sonntagmittag nach der ewigen Anmeldung in Marina, Arc+ Büro und Immigration, die ja fast drei Stunden gedauert hat. Bei der Marina, die angeblich um 8 Uhr öffnet war um 9 dann jemand da, weil der der eigentlich Dienst hatte, nicht konnte und ein Ersatz gefunden werden musste. Und es war ja ganz überraschend, dass an dem Wochenende über 80 Boote ankommen und sich alle anmelden müssen…
Sonntag
Wir beschlossen die Stadt zu erkunden und haben uns zuerst im nächsten Café im Hafen niedergelassen, um zu frühstücken. Ich hatte mir die kulinarische Vielfalt von europäischer Küche gemischt mit afrikanischen Gewürzen vorgestellt. So war es auch in unseren Arc+ beschrieben. Rückblickend muss ich sagen, es waren ja Engländer, die das verfasst haben…..
Also unser Frühstück war außer dem Thunfisch von Alex recht mittelmäßig aber der Hunger war groß. Wir waren bestes gelaunt und sind anschießend auf eine kleine Stadterkundung gegangen. Die Altstadt ist sympathisch, vieles leider nicht hergerichtet aber eine schöne Substanz. Auf den Straßen werden Obst und Gemüse verkauft sowie Fische in Plastiksackerln. Es gibt einen afrikanischen Markt und auch eine Markthalle. Viel Leben herrscht in der Stadt.









Am Abend haben wir uns dann mit unseren Crew Shirts gerichtet, denn es gab die Welcome Party! Vom Steg aus kam eine Tanzgruppe in ihren bunten Karneval Kostümen mit Trommeln und wir durften sie bis an den Pier begleiten, wo die Party stattfand. Es gab Live-Musik und Tanz. Ein Buffet, Bier und unglaublich starke Rum Mischgetränke. Rum ist eines der Exportgüter hier. Einen Schluck habe ich von dem Rum probiert und alle Bakterien in meinem Magen waren sofort tot. Vor allem aber gab es ein großes Hallo mit allen bekannten Seglern, Austausch wie es wem ergangen ist, wer welche Fische gefangen hat, wie man die kleinen Kinder beschäftigt hat und welche seglerischen Abenteuer man durchgemacht hat.

Ein wunderbarer Start in diese Woche!
Montag
Am Nachmittag hatten wir uns zu einer Insel Tour angemeldet, gemeinsam mit vielen anderen. Also wurden 10 Kleinbusse der öffentlichen Transportbusse gemietet und jeder Busse hatte einen Guide. Unserer hieß Elzo, stammt von hier und hat drei Geschwister, die alle nach Luxemburg ausgewandert sind. Die Bevölkerung der Kap Verden ist sehr jung aber 40% der jungen Erwachsenen wandern aus. Es gibt keine Jobs und vor allem auf Sao Vicente aufgrund des fehlenden Wassers auch kaum Landwirtschaft. Das Wasser wird mit einer durch Diesel betriebenen Anlage entsalzen, der Müll wird nicht sortiert, sondern einfach offen verbrannt. Die Insel ist klein, daher kann man von der Spitze des Berges die Rauchsäule der Müllverbrennung sehen.
Innerhalb von drei Stunden haben wir alle Highlights der Insel gesehen, aber man muss sagen, dass der Eindruck ziemlich trist ist. Zuerst sind wir auf einer sehr abenteuerlichen gepflasterten Straße (mit Lavasteinen gepflastert) den Berg hinaufgefahren. Dort war es erstaunlich kalt und wir konnten aufgrund des Nebels nicht sehr viel sehen. Anschließend haben wir „die große Düne“ angeschaut. Sand aus der Sahara wird her geweht und ja es ist eine Düne, das wars es. Dann ging es noch zum Strand, wo wir einen Rum bekommen haben. Am Strand überall Plastikmüll. Unser Bus hat angefangen den Müll einzusammeln und wir hatten innerhalb von kurzer Zeit einen riesen Berg. Danach sind wir um die ganze Insel herum auf einer von der EU, USA und China finanzierten Straße, auf die sie sehr stolz sind. Die Straße fährt ins Nirgendwo, ein paar Hütten, die „größte Farm“ sind auch wenige Hütten, Hühner, Ziegen und ein paar Pflanzen. Kurz vor dem Hafen ist uns noch ein Reifen geplatzt und das war wirklich erstaunlich, innerhalb von 5 Minuten war ein Ersatzbus da!
Sagen wir mal, gut, dass wir es gesehen haben, aber es muss nicht unbedingt auf der Bucket List stehen. Die Einwohner versuchen alles herauszuholen, was möglich ist, aber ohne Wasser ist es schwierig.

Am Abend gab es wieder großes Hallo in der Marina Bar und wir haben auch gleich da gegessen. (Emil hat mir gestern gesagt ich bin ein Essen Snob und ich glaube ich darf hier nicht zu viel übers Essen schreiben, aber ja auch in der Bar wäre mittelmäßig eine echte Übertreibung gewesen)
Dienstag
Um 5:30 war Tagwache, um 6 ging es los Richtung Fähre und dann eine Stunde nach Sao Antao, die grüne Insel. Auch hier waren wir natürlich wieder eine große Runde, haben allerdings die Busse aufgeteilt und die Stationen sind unterschiedlich angefahren worden. Das Spannende hier ist, dass die Portugiesen viele Bäume aus Europa brachten und diese auf den Bergspitzen angepflanzt haben. Mittlerweile ist dort ein richtiger Wald. Dadurch werden auch die Wolken auf den Bergen gehalten, regnen teilweise ab. Es gibt ein großes Tal mit fließendem Wasser, das sehr grün und sehr fruchtbar ist. Alles wird durcheinander angepflanzt. Mais, Maniok, Bananen, Affenbrotbäume, Yams, Avocado, Mangos…
Alles wird nach Sao Vicente mit dem Boot exportiert. Nur 40.000 Menschen leben hier. Trotz der Fruchtbarkeit des Landes herrscht auch hier große Armut.
Wir konnten eine kleine Wanderung durch das Tal machen, es war wunderschön. Und auch nach den kanarischen Inseln sehr erfrischend wieder einmal überhaupt grün zu sehen! Wir konnten auch einen Blick in eine Volksschule werfen mit einer sehr strengen Lehrerin! Anschließend ging es in ein lokales Restaurant und wir wurden mit der Nationalspeise bewirtet. Diese besteht aus einem Kichererbsen Eintopf in dem Speck mitgekocht wird und dann wieder entfernt wird, das ganz mit undefinierbaren anderen Bohnen mit einer Soße. Die Meinungen gehen hier auseinander. Meiner Sitznachbarin hat es gut geschmeckt. Dazu Huhn, Fisch, Kartoffeln, Süßkartoffel, zerkochte Karotten. Um es sehr positiv auszudrücken habe ich hier in einer Mahlzeit meinen Kohlehydrat Bedarf von zwei Monaten abgedeckt. Aber es gab kaltes Bier!
Anschließend sind wir auf die Berge in den Wald gefahren. Traumhaft schön und ein fast alpines Klima. Blicke in Vulkankrater in denen Obst und Gemüse angebaut wird. Leider ging es dann wieder zur Fähre und nach Hause. Der Plan war, dass wir uns duschen und hübsch machen, denn kurz darauf war die Siegerehrung. Aber es kam ein bisschen anders.








Zurück am Steg mussten wir feststellen, dass durch den starken Wind tatsächlich eine unserer Festmacherleinen abgerissen ist. Jetzt hieß es das Boot wieder gut absichern! Wir haben uns zu viert eine Stunde abgemüht dann schnall verschwitzt wieder in die Crew T-Shirts und ab zur Siegerehrung.
Seit Tagen versuchten Emil und Alex auszurechnen welchen Platz wir erreicht haben könnten. Wir waren auf Platz 5 gelistet, wussten aber dass es nicht stimmen kann. Jedes Boot bekam eine Bewertung mit einem Faktor, unserer war nicht so günstig. Weiters wurden die Motorstunden bestraft. Hier konnten wir sehen wieviel die anderen hatten. Insgesamt sind Emil und Alex zum Schluss gekommen, dass wir den 3. oder 4.Platz erreicht haben könnten. Klar war, dass die Chinesen rausfliegen, da zu viele Motorstunden. Aber die Eveline und die Delphin haben uns Sorgen gemacht.
Also die Spannung war groß, eigentlich alle aufgeregt! Und wir habe so auf den Platz aufs Podium gehofft. Dann kam der große Moment. Cruising B 3. Platz: Eveline! Unsere Gesichter waren enttäuscht! Der undankbare 4. Platz, so schade. Dann 2. Platz – ich habe nur Sunbeam 53 gehört – Vision! Wir sind auf die Bühne gesprungen und haben uns sooo gefreut! Beide Konkurrenten aus dem Rennen geschlagen!


Na und danach wurde nach Wassermannscher Art gebührend gefeiert! (Der letzte Gin Tonic war zu viel)
Mittwoch
An diesem Tag war Provisioning angesagt. Also alle 4 in den nächsten Supermarkt und Wasser und Snacks einzukaufen. Der Supermarkt ist nahe bei der Marina und nützt dies schamlos aus. Hohe Preise schlechtes Sortiment. Aber für ein Trinkgeld führen sie die Sachen zum Boot. Alex haben wir dann gleich beim Boot gelassen und sind zu dritt zur Markthalle geschlendert. Dort war viel los, da die ganzen Kreuzschifffahrt Touristen in der Stadt waren. Aber auch hier das Angebot enttäuschend und die Preise wie am Kaiser-Josef-Platz in Graz. Wir waren uns sicher, dass wir voll abgezogen werden, aber beim Handeln bin ich echt eine Niete.
Am Nachmittag war kochen angesagt, zumindest bei mir. Das Vorkochen hat sich bei der letzten Fahrt sehr bewährt. Erstens wegen des Schaukelns aber auch wegen der Batterien. Alex hat am Boot gebastelt, Emil hat Vorlesungen angehört und Valentin das Boot geputzt. Am Abend waren wir mit einer Familie verabredet, die gerade ihr Leben in Hongkong aufgegeben hat, die Möbel in Rotterdam eingelagert, und aufs Schiff gezogen sind. Die waren schon in Las Palmas in unserer Nähe und sind sehr witzig. Der langfristige Plan ist in die Schweiz zu ziehen und wir hoffen mit ihnen in Kontakt bleiben zu können.
Sie haben in einem Restaurant mit Live Musik reserviert und mein Thunfisch dort hat mich für vieles entschädigt. Wir hatten einen sehr lustigen Abend.
Donnerstag
Ja Donnerstag ist heute und auch der Blog hört hier nun auf, da es morgen weitergeht. Alex klettert gerade im Mast herum und die Kinder und ich hoffen noch irgendwo in der Stadt Salat und Joghurt zu finden. Es wird heute ein ruhiger Abend. Wir werden noch aufräumen, Brot backen, putzen und früh ins Bett gehen. Die Latte liegt jetzt natürlich hoch, der Ehrgeiz ist geweckt. Alex und Emil gehen heute noch zum Skipper Briefing und wir hoffen auf mehr Wind. Und wir hoffen auf weiterhin so wenig Pannen wie zuletzt. Haltet uns die Daumen auf einen guten Start morgen. Um 12 Uhr, also bei Euch 14 Uhr geht es los!
Nachtrag vom Skipper:
Nach unserem Skipper Briefing mussten wir feststellen dass ein Halter unserer Badeleiter abgebrochen war (bzw die Schrauben gebrochen waren). Leider war ich so unvorsichtig und habe den Halter ins Wasser fallen lassen. Und das Wasser hier in der Marina ist eher nicht geeignet zum Tauchen. Unser netter Nachbar (und eigentlich unser Haupt Konkurrent) hat uns geholfen mit Epoxi Spachtel um die Löcher zu schließen. Bei der ganzen Aktion mussten wir noch feststellen dass die Hydraulik des Dinghis einen Schaden hat. Also noch einen Flaschenzug basteln. Ich hoffe das ist kein böses Omen für den Start morgen früh.



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