Ponta Delgada bis Lagos oder doch nicht?

5.6. – 13.6.

Freitag Früh sind wir nach einer letzten Dusche im Hafen recht gemütlich gestartet und haben uns von Maggie und Jörg verbschiedet, die auch in den nächsten Tagen wieder heimfliegen.

Nach dem Ablegen Leinen aufschießen

Die NATO Flotte, die seit Tagen mit uns in Ponta Delgada liegt bestaunen wir beim Auslaufen. Besonders gefällt uns aber der Dreimaster Denmark auf dem uns alle Matrosen mit ihren weissen Mützen zuwinken.

Vorbei segeln wir an der Insel Sao Miguel, die auch vom Meer her sehr schön ist. Kurz nachdem wir an Sao Miguel vorbei waren – der Autopilot!!! NEIN! Es darf doch nicht wahr sein. Alex hat kurz daran gedacht zurückzufahren. Aber Andi ist gleich auf die Jagd nach dem Fehler gegangen. Kurz gesagt er hat ihn gefunden, nur die Sicherung musste getauscht werden. Großes Durchatmen bei allen. Frohen Mutes sind wir weiter gesegelt. Um 8 Uhr abends hatte meine Wache begonnen und Alex hatte sich nochmals hingelegt, um für die Nacht fit zu sein. Nach 5 Minuten hören wir, dass er den Motorraum aufmacht, etwas hat ihn gestört. Einige Tage zuvor haben Alex und Andi unsere Toilette repariert und danach lief ständig Wasser in den Motorraum, wir alle dachten das ist das Wasser aus der Toilette.

Zurück zu Alex, er öffnet also den Motorraum und alles ist voller Wasser! Panik kommt auf. Alex und Andi finden schließlich den Übeltäter. Aus der Antriebswellendichtung hat es permanent und nicht wenig getropft. Was tun? Wir waren mitten am Atlantik. Alex telefoniert mit Manfred Schöchl, der ein paar Tipps gibt, schreibt in die Dorian Whatsapp Gruppe für Unterstützung. Er bekommt den Tipp, dass die Dichtung geschmiert werden muss, das hatten wir nicht getan. Gleichzeitig versucht Alex herauszufinden, wo wir hinkönnten. Also die Entscheidung weiterfahren bis Festland Europa oder zurück oder nach Santa Maria, die letzte Azoreninsel im Süden. Dort soll es eine gute Werft mit Kran geben. Alex erreicht den dortigen Betreiber noch spät abends. Ja wir können kommen und vielleicht kann er am Sonntag reparieren. Wir entscheiden uns auf jeden Fall nach Santa Maria zu fahren, das Festland ist einfach zu weit weg.

Undichte Dichtung

Diese Nacht war schlaflos für mich, ich hatte das allererste Mal Angst. Die Gewissheit, dass ständig Wasser ins Schiff kommt! Noch später in der Nacht bekommen wir die Nachricht, dass wir am nächsten Tag um 8 Uhr Früh bereits den Krantermin haben. Andi hat dann zur Sicherheit die Dichtung mit dem richtigen Fett gefüllt, aber wir hatten nicht viel Zuversicht, dass dies etwas bringt. Während meiner Wache hatte ich die Aufgabe alle 10 Minuten nachzuschauen wieviel Wasser eindringt. Also zwei Stunden lang rauf kontrollieren runter kontrollieren. Und siehe da, das Wasser wurde weniger und weniger.

Eine weiter schlechte Nachricht war, dass sich Alex wieder ganz krank gefühlt hat mit Fieber und Halsschmerzen. Andi und ich haben überlegt, denn wenn Alex sich nicht erholt, schaffen wir die Überfahrt zu zweit nicht.

Pünktlich um 8 waren wir an der Werft, das Schiff kam aus dem Wasser. Was nun? Uns wurde mitgeteilt, dass die Reparatur sogar vielleicht am gleichen Tag stattfinden kann, wir werden benachrichtigt. Also haben wir uns entschieden ein Hotel für die Nacht zu suchen. Santa Maria ist Miniklein. 5.000 Einwohner ein größerer Ort und ein Flughafen das wars. 

Wir haben im Ort ein sehr nettes Hotel gefunden, und sie waren so freundlich uns gleich ins Zimmer zu lassen. Ich habe gleich einmal geduscht, herrlich! Dann haben wir den Ort erkundet, gefrühstückt und sind ins Hotel zurück, um uns auszuruhen. Keiner von uns hatte Lust noch weiteres auf der Insel zu erkunden. 

Schließlich der Anruf, das Schiff ist fertig es kommt ins Wasser. Wir hätten sogar gleich weiterfahren können, mit einer so schnellen Reparatur hat niemand gerechnet! Wir haben dennoch im Hotel Abendgegessen und sind früh ins Bett. Was für ein Luxus!

Sonntag sind wir wieder los und haben unser Ziel Lagos angesteuert. Dann in der Nacht die nächste Aufregung. Die neue Dichtung wird zu heiß! Unsere alte Dichtung hatte wohl eine automatische Entlüftung, die neue aber nicht. Dadurch, dass das Boot im Wasser war, hat sich aber in der Welle Luft angestaut, diese konnte man nur durch festes Drücken an der Dichtung herauspressen. Andi hatte das in seiner Wache gemacht und die Temperatur war bei der Übergabe stabil.

Nach 15 Minuten haben ich nachgeprüft, etwas wärmer, weitere 15 Minuten zu warm. Dann habe ich den Motor runtergeschaltet, langsam wurde es kühler, wieder rauf, gleich wurde es wieder zu heiß. Eine Stunde später hatte Alex Wache, aber er hat gerade so gut geschlafen, ich wollte ihn nicht wecken. Also habe ich mich entschlossen den Motor weit herunterzuschalten und zu warten. Ich wusste zwar, wie ich die Dichtung entlüften könnte, aber kräftemäßig habe ich das nicht geschafft. Alex ist mit hohem Fieber aufgewacht, wollte trotzdem die Wache übernehmen. Schlussendlich war mit mehrfachem Entlüften in den nächsten Tagen das Problem gebessert (jetzt wo wir gerade motoren steigt die Temperatur wieder…)  und auch Alex hat sich nach drei Tagen wieder erholt.

Sonntag sind wir am Vormittag los und hatten einen traumhaften Segeltag. Sonne, super Wind und keine Welle. So könnte es weiter gehen! Leider wussten wir aber, dass wir in einen Sturm kommen werden. Es wurde die nächsten Tage sukzessive kälter uns stürmischer. Tagelang habe ich meine warme Schiunterwäsche nicht ausgezogen und alles angehabt, was ich so mit habe. Die letzten Tage waren ziemlich anstrengend. Hohe Wellen, bedeckter Himmel, starker und sehr kalter Wind. Für dieses Wetter habe ich meine geliebte Wärmeflasche aus Graz mitgenommen, die vor allem in der Nachtwache zu Einsatz kam. 

Auch das Kochen wurde bei der Welle wieder eine Herausforderung, zum Glück hatte ich viel vorgekocht, das hat es einfacher gemacht. Unterwegs haben wir viele Delphine gesehen und heute Früh auch endlich einen Wal!

Gestern Nacht hat der Wind nachgelassen und seit heute Früh motoren wir wieder, wahrscheinlich bis zum Festland. Aufgrund des Windes und unseres Ausfluges und auch dem fehlenden Platz in der Marina steuern wir die Stadt Sines an. Wir sollten um Mitternacht ankommen. Sines soll gar nicht touristisch sein, darauf freue ich mich. Leider bleiben wir nur einen Tag dort, denn dann haben wir wieder eine Nachtfahrt vor uns. Hoffentlich die letzte. 

Am Ende sind die schönen Augenblicke endlos

Unser Plan ist es der Küste entlangzufahren, damit wir den Orcas nicht zu nahe kommen. Wir haben dazu aber einige Vorbereitungen getroffen und gebastelt….

Wie es uns mit den Orcas ergangen ist erfährt ihr nächste Woche.

Jennifer

6 Kommentare zu „Ponta Delgada bis Lagos oder doch nicht?“

  1. Wie immer danke für die tollen Fotos. 👍⛵️👍 und die spannenden Vorkommnisse. 💪⛵️👍


    1. Wir liefern gerne spannende Geschichten. 😉


  2. Avatar von Tantchen
    Tantchen

    Der Leser leidet nachträglich mit,-Wasser,Welle,Krankheit,Übermüdung,-bleibt zu hoffen,dass euch zum vorläufigen Abschluss ein paar entspanntere Tage bevorstehen!


    1. Ja, Entspannung wäre gut. Aber vor unserer Abreise am Samstag sind noch ein paar Boatwork Dinge zu erledigen. Leider.


  3. Avatar von Margit Mayerhofer
    Margit Mayerhofer

    Uih, schon wieder so viele Aufregungen und kritische Momente, der arme Alex wieder krank, die Kälte mit Schiunterwäsche, mich schüttelt es, wenn ich das lese! 🌬️😁🥶 Aber ihr meistert einfach alles großartig, meine tiefe Bewunderung!! 👏👏 Aber ich hoffe, dass die wunderschönen Sonnenuntergänge, die Wal – und Delfinsichtungen für die blöden Momente entschädigen!
    Bleibt nun gesund und weiterhin alles Gute, ich bin in Gedanken bei euch! 🤗😘👍😍


    1. Es klingt vielleicht immer ein wenig dramatischer als es dann wirklich ist. Uns geht es jedenfalls sehr gut und wir sind ausserordentlich stolz darauf den Atlantik bezwungen zu haben.


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