11.5. – 24.5.2026
Crew: Alex, Andi, Peter, Jenny
14.5.2026:
Seit vergangenen Sonntag hat sich mittlerweile doch einiges ereignet. Bisher war unsere Fahrt ja von sehr schönem Wetter mit wenig Wind geprägt und keinen technischen Problemen, aber das sollte sich diese Woche ändern.
Montagvormittag war noch recht wenig Wind aber am Nachmittag konnten wird den Code 0 setzen. Dann wieder Flaute aber am Abend kam der Wind. Alex hat die Preventer montiert und zu viert haben wir das Parasail gesetzt. Das ging eine Zeitlang gut bis um 3 in der Früh ein riesen Squall kam mit Regen, Ölzeug war notwendig– zum Glück nicht meine Wache!

Alex und Andi sind in einer großen Segler Whatsapp Gruppe, aus der derzeit auch einige den Atlantik in Richtung Osten überqueren. Einige hatten Kontakt zu einem Cargo Ship. Ein russischer Öltanker, der nach Kuba Öl liefern sollte. Die Amerikaner verhindern jedoch die Weiterfahrt und so treibt der Tanker seit zwei Wochen umher und wartet, wohin er fahren darf/soll. Der Kapitän klang schon recht verzweifelt. Die Vorräte gehen zu Ende.
Am nächsten Tag das gleiche Spiel, wenig Wind Motor an, mehr Wind Parasail rauf. Ab Mittwoch ging es dann rund. Umzingelt von Regenwolken und auch über uns wurden wir sehr nass. Zum Glück war es aber nicht kalt. „Oh Hell“ wurde weitergespielt und Peter konnte gar nicht glauben, dass man unter Parasail Kartenspielen kann! Endlich hat Andi mal gewonnen, der Ehrgeiz ist bei allen groß. Alex war Letzter unter anderem, weil er seine Stiche nicht zählen konnte. Morgen werde wieder ich gewinnen!
Dienstag Früh hat uns noch ein Funk eines französischen Segelbootes erreicht. Sie konnten nur Französisch und hatten offenbar weder Sterling noch Radar, da sie von uns wissen wollten, wie das Wetter und der Wind die nächsten Tage wird. Schwierig, da es ja noch zwei Hochs gibt, die wir umschiffen müssen, um nicht wieder in die Flaute zu kommen. Genau zwischen diesen Hochs gibt es einen Streifen mit Wind, den es zu erwischen gilt.
Unser Skipper Alex hat uns mehrfach erinnert, dass er sich wieder eine Halftime Show erwartet, und am Dienstag war es soweit. Peter hatte die Idee, dass wir die großen Wasserflaschen in Hälften schneiden und uns auf den Kopf setzen und als Quallen verkleiden. Alex hat noch geschlafen und so haben wir schnell zu basteln begonnen. Zur Musik Aquarius sind wir aufgetreten und dem Skipper wurden Digestives und ein Softdrink spendiert.
Um 20 Uhr war der Wind so unstet, es war kaum mehr möglich das Segel zu steuern, der Wind hat ständig gedreht, sodass wir beschlossen haben nochmals das Segel herunterzuholen und den Motor einzuschalten. Das hat alles etwas gedauert und ich hatte von meinen 4 Stunden Pause nur mehr 2 übrig zum Schlafen. Und wie das so ist, wenn das Schiff ruckelt und ich weiß, dass ich gleich wieder aus muss – kein Schlaf ist gekommen. Dann um 23:45 wieder auf, Ölzeug an, es hat geschüttet. Peter stand am Steuer und hatte zwei Nachrichten. Erstens der Wind ist wieder gut wir können Segel setzten und zweitens der Autopilot funktioniert nicht mehr.

Wie Ihr Euch vielleicht noch erinnern könnt, ist unser Autopilot 5 Tage vor Ankunft in Grenada auch ausgefallen und wir konnten ihn erst dort mit Hilfe von Andi reparieren. Ich habe nur auf die Anzeige geschaut, noch 850 Meilen und das von Hand steuern. Oje! Dabei habe ich ja jetzt schon ein Schlafdefizit von 50 Stunden!
Wir haben alle aufgeweckt und Groß und Genua gesetzt und da meine Wache war habe ich gesteuert. Alex ist gleich wach geblieben und wir haben uns bis 3 Uhr abgewechselt. Der Regen hat von der Seite her gepeitscht und das Steuern war für mich eine echte Herausforderung. Aber auch ein super Oberarmtraining! Mittlerweile sind ja auch die Wellen höher geworden. Dann endlich wieder ins Bett und um 5:45 hat der Wecker wieder geläutet. Ich sehe Andi der im Motorraum herumfuhrwerkt, also der Oberkörper steckt im Motor der Rest heraußen und Peter der völlig durchnässt vom vertikal daherkommenden Regen steuert.
Wer mich kennt weiß, egal wie die Situation ist, zuerst muss mal ein Kaffee her. Ich übernehme also das Steuer und es ist nach wie vor schwierig das Schiff auf Kurs zu halten. Nach einiger Zeit kommt Andi und verkündet, dass der Autopilot wieder funktioniert aber, dass die Kohlenstifte kaum mehr vorhanden sind. Wir müssen sie früher oder später tauschen, denn bis Portugal halten sie nicht mehr. Dann wird wieder das Parasail gesetzt. Wir beschließen also so viel wie möglich von Hand zu steuern. Das mache ich dann auch drei Stunden lang, nebenher wird gefrühstückt, mit lauten „Jennifer“ Rufen, wenn das Schiff wieder mal zu schräg ist. Geschirr, Brot und Marmelade fallen vom Tisch.
Andi hat wieder Brot gebacken, es ist köstlich. Er hat den Ofen jetzt irgendwie ausgetrickst. Das Brot wird nämlich immer nur von oben durch aber trotz Umluft nicht von unten.
Zu unseren Vorräten: Bisher haben wir täglich herrlich gegessen, jetzt gehen die frischen Sachen langsam zur Neige. Nur mehr ein paar Karotten, Zwiebel, Zucchini, Zwiebel und eine Süßkartoffel sind übrig. Es bleiben noch einige vorgekochte Gerichte und gaaanz viele Thunfisch und Maisdosen. Frischen Fisch können wir leider bei diesem Wetter nicht fangen.
Immer wieder werde ich gefragt, ob es nicht langweilig ist an Bord. Siehe oben: Nein! Außerdem habe ich einige hervorragende Bücher mit und sollte zudem meine neue Rolle lernen, die diesmal sehr viel Text hat. Wenn ich im Juli zu den Theaterproben gehe, muss ich den Text können. Zwischendurch, wenn ich zu müde zum Lernen oder Lesen bin, höre ich meine zwei Podcasts „Geschichten aus der Geschichte“ und „Aquired“, letzteres ein guter Tipp von Valentin oder Hörbücher, die ich mir heruntergeladen habe. Andi hat sich mit Spleissen beschäftigt und hat die perfekten Softschäkel gemacht!
18.5.2026
In den letzten Tagen ist so einiges passiert. Derzeit sind wir 276 Meilen vor Horta aber steht uns auch noch eine Menge bevor.
Zunächst zu den positiven Seiten. Wir sind mit dem Parasail wunderbar vorangekommen. Nachdem ich schon ziemlich müde von den Wachen war, hat mich Alex ins Bett gesteckt und ich konnten einen halben Tag und eine ganze Nacht schlafen, vielen Dank an die Crew! Am nächsten Tag fühlte ich mich wie neu geboren! Wir haben wieder herrlich gegessen, gestern zum Beispiel einen Reisauflauf von Andi, das Boef Bourguignon von Peter und jeden zweiten Tag ein frisches Brot. Wind und Wetter haben bis auf einigen Regen zwischendurch mitgespielt. Wir befinden uns derzeit zwischen zwei Hochs und versuchen den Streifen dazwischen in dem Wind ist zu erwischen, was uns auch gut gelingt. Und endlich haben uns wieder Delphine begleitet, bisher hatten wir keine gesehen, aber vielleicht mögen sie ja auch kälteres Wasser und sind deshalb eher hier wieder zu finden. Mit Sprüngen haben sie uns lange erfreut.
Nun ja, so weit so gut. Vorgestern hat sich Alex zunehmend schlechter gefühlt und ist dann richtig krank geworden. Wir haben ihn aus den Wachen herausgenommen und jeder von uns dreien musste 8 Stunden steuern. Apropos steuern, zu früh gefreut, dass der Autopilot wieder geht. Mittlerweile konnte er nicht mehr repariert werden. Das heißt 8 Stunden von Hand steuern. Unter Tags geht es mir ganz gut dabei aber meine Nachtwache ist echt schwierig. Andi ist der Einzige der gut schlafen kann, Peter und ich sind ziemlich schlaflos und Alex mit seinem Kranksein auch. Die Crew ist also schon ziemlich angestrengt in der Zwischenzeit.
Gestern Abend haben wir gesehen, dass wir wunderbar mit dem Parasail durch die Nacht kommen werden, der Wind hat perfekt ausgeschaut und wir haben uns entschlossen unser größtes Segel (235 m2) oben zu lassen. Niemand hatte mehr Lust auf eine weitere Nacht Motorlärm. Dann um 23.30 wurden wird aus dem Schlaf geweckt. Eine große Böe hatte das Segel erfasst, umgedreht und offenbar ist es auch ins Wasser gekommen und im unteren Teil wurde es zerrissen. Dann hat es sich auch noch zusätzlich um den Mast gewickelt. Zu viert haben wir es zum Glück geschafft zu bergen bei viel Wind und hohen Wellen war das vorne für Alex und Andi kein Spaß. In meiner anschließenden Wache hat Alex zum Glück eine Zeitlang übernommen, zwei Stunden alleine in Nacht war dann einfach zu viel.



Um 2 ins Bett um 5:30 wieder auf, in der Zwischenzeit hatte es geregnet und alles war nass. Graue Nebelstimmung und Delphine, damit ich mich nicht alleine fühle. Bei Frühstück haben wir beschlossen, die Schichten zu ändern. Heute Nacht soll der Sturm kommen. Zu zweit jeweils vier Stunden dann vier Stunden Pause. Niemand soll bei dem Wetter allein an Deck sein, vor allem in der Nacht. Wir haben jetzt alles verräumt, damit keine Sachen herumfliegen und uns verletzen können. Alex geht es besser, ganz fit ist er noch nicht. Eine Sturm Nacht ein Tag und dann noch eine Nacht und wir gehen davon aus, dass wir Mittwoch früh in Horta ankommen werden. Und dann? Schwierige Entscheidung: Was zuerst, Anlegeschluck oder schlafen?
Geschrieben am 24.5.2026:
Wie war der Sturm? Ich hatte Glück, da ich den ersten komplett verschlafen habe. In unserer Wache gab es dann auch ständig über 30 Knoten mit heftigeren Böen bis über 40 Knoten dazwischen, aber ich fand das nicht so schlimm. Schwieriger war eher die Konzentration in der Nacht. Die Wellen erreichten 4 m Höhe, kamen schräg von achtern und waren schwer zu steuern. Länger als eine Stunde Konzentration ist unter solchen Bedingungen nicht drin.
Zumindest hatten wir keine weiteren Schäden an Bord. Als ich dann Mittwoch früh aufgestanden bin, war schon Land in Sicht. Ein schöner Anblick, die Azoren! Dennach hat es noch einige Stunden gedauert, bis wir im Hafen waren. Nach 17 Tagen und 30 Minuten waren wir angekommen.
Der Hafen in Horta auf der Insel Faial ist recht klein, daher war es zuerst nicht möglich einen Liegeplatz zu bekommen. Wir mussten daher innerhalb des Breakwaters (die Mauer, die die Wellen aus dem Hafen halten soll) ankern, was in Anbetracht der vielen Boote schwierig war. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis wir einen Platz gefunden haben wo einerseits der Anker gehalten hat und andererseits keines der anderen Boote zu nah waren. Zwei Bekannte habe schon ganz in der Nähe geankert, die Jokale ein deutsches Boot und die Ursa Major ein norwegisches. Raymond von der Ursa Mayjor ist dann auch gleich mit dem Dinghi zu uns zur Begrüßung gekommen. Er hat die Strecke von der Karibik ganz alleine geschafft!

Anschließend sind wir an Land einchecken und dann gleich in das berühmte Peter Sport Cafe! Ein Muss als Segler! Die ganze Seglerwelt, die den Atlantik quert, oder aus Europa einen Ausflug auf die Azoren macht, trifft sich hier. Es gibt gutes IPA, das Essen, naja ganz ok. Wir sind dort verhockt bis am Abend, treffen die norwegische Crew der Miss U mit Iselin – die Mutter und Skipperin, sie lagen auch mit uns am Kinder Steg in Las Palmas. Der Austausch mit den anderen Seglern ist immer spannend, einerseits geht es um Wetter und Routenplanung, das Essen an Bord, die Schäden. Jeder hat spannende Geschichten zu erzählen. Peter und Andi sind bis Samstag ins Hotel gezogen, wir wollten dies aufgrund des Windes und der Ankersituation nicht.
Donnerstag war Stadtbesichtigung angesagt. Alles sehr nett hier und trägt eindeutig die portugiesische Handschrift. Freitag sind wir ins Scrimshaw Museum gegangen, das war sehr beeindruckend. Über die Jahrhunderte hat sich die Kunst entwickelt auf Walzähne Bilder einzuritzen und diese dann mit Farbe sichtbar zu machen. Einfach unglaublich was da entstehen kann!


Anschließend waren wir im Walfang Museum, auch das sehr interessant. Die Bewohner der Azoren haben lange von der Landwirtschaft und dem Walfang gelebt und dafür spezielle kleine schnelle Schiffe entwickelt. In einem Film aus den 60er Jahren konnte man den Fang und auch die anschließende Verwertung sehen. Dann ging es den Vulkanhügel gleich neben der Stadt hinauf. Ein Wunderbarer Ausblick in den Krater, der jetzt im Meer liegt und auch auf die gesamte umliegende Umgebung.






In der Zwischenzeit konnten wir auch den Anker verlassen und an der Kaimauer anlegen, ohne Dinghi ist es schon angenehmer! Leider war aber zwischen dem Schiff und der Kaimauer ein großer Höhenunterschied und ich bin ins Schiff gestürzt. Kopf und Schulter an einer Kante angeschlagen und das Blut ist nur so gespritzt. Ich hatte einen ziemlich großen und vor allem tiefen Cut neben dem Auge. Alex hat mich verarztet und wir sind gleich ins Krankenhaus. Es musste nicht genäht werden und sie waren erstaunt, wie gut Alex geklebt hat, sodass sie gar nichts verändert haben. Mein Auge ist nach wie vor zugeschwollen und ganz blau aber zum Glück ist nicht mehr passiert.
Samstag hat uns Peter leider verlassen. Die Rückreise war auch nicht ganz einfach, da Peters Flug gleich mal nicht gegangen ist, aber ist schließlich doch gut in der Provence angekommen. Und wir sind nun nur mehr zu dritt.
Wir haben uns ein Auto gemietet und sind zum halb versunkenen Leuchtturm gefahren. 1958 ist einer der Vulkane aktiv geworden und hat 13 Monate lang Lava und Asche gespuckt. Der halbe Leuchtturm und das Dorf daneben wurden verschüttet. Es gab ein tolles Museum neben dem Leuchtturm, der über Vulkane insgesamt und die Geschichte der Insel Faial mit diesem Ausbruch super informiert hat. Dann sind wir noch in die Mitte der Insel auf den größten Vulkan gefahren. Das Betreten des Kraters ist verboten und es hat sich ein herrliches Naturparadies entwickelt.
Samstag Abend sind unsere Freunde von der Ithaka, Rosalyn und Peter mit den Kindern angekommen. Großes Wiedersehen in Peter Sport Café. Zum Glück sind wir rechtszeitig heim, denn als dann die junge Mannschaft von der Dawnbreaker auch noch kam, wurde es für die anderen 2:30!
Pfingstsonntag haben wir den Rest dieser wunderschönen Insel angeschaut und sind zuerst einem superlustigen und guten Restaurant gelandet und gleich darauf bei einem Dorffest, bei dem wir zum Essen und Trinken eingeladen wurden. Die Leute waren wahnsinnig nett und haben sich gefreut, dass wir uns dazu gesellt haben. Zu Pfingsten macht jedes kleine Dorf ein Fest, zu dem alle kommen können. Es wird eine spezielle Rindsuppe mit Brot gegessen und ein Süßes Germ Brot, das mit Zitrone und Muskatnuss gewürzt ist.



Nach der Rückkehr gab es eine kurze Pause, abmelden von der Marina und gleich wieder zum Essen mit Peter und Rosalyn. Ein wunderbarer Abend.
Heute, Pfingstmontag sind wir um kurz vor 7 gestartet Ziel ist die Insel Terciera wo wir am Abend ankommen sollen und bereits mit Maggie und Jörg zum Essen verabredet sind. Das Parasail und der Autopilot (vorerst nur provisorisch) sind wieder repariert und wir hoffen es bleibt so!



Jennifer
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